Bei einem intensiven Blick auf die Teilnehmerliste der diesjährigen GameGune im spanischen Bilbao fällt eines sofort auf: Die deutsche Flagge sucht man vor den dort genannten Teams vergebens. Trotz mehrerer Einladungen durch die Veranstalter haben sich unsere heimischen Counter-Strike-Akteure aus unterschiedlichen Gründen dazu entschieden, die Reise auf die iberische Halbinsel nicht anzutreten – und damit geradezu mit einer Tradition zu brechen.
Hochsommer, strahlender Sonnenschein, knapp 30°C Außentemperatur. Kompetitiver eSport, internationale Counter-Strike Elite, über 20.000€ Preisgeld. Wenn diese dem ersten Anschein nach doch sehr gegensätzlichen Faktoren miteinander vereint werden, weiß der geneigte CS-Fan sogleich, dass die GameGune-Stunden geschlagen haben.
Wie schon seit 1994 wird in diesem Jahr im Süden des europäischen Kontinentes die mittlerweile 19. Auflage des spanischen LAN-Party Klassikers im Rahmen des Euskal Encounters stattfinden. Auch 2011 werden wieder zahlreiche ambitionierte Teams der Szene die Gelegenheit nutzen, sich in einem echten Härtetest miteinander zu messen und sich damit für die nachfolgenden Turniere des Jahres zu empfehlen und im internationalen Vergleich zu positionieren.In der Historie des Events hatte der eSport freilich in den Anfangszeiten bei weitem nicht den Stellenwert, den er heute genießt. So sind die ersten Turniere auf die ‚Euskal 6‘ aus dem Jahre 1998 zurückzuführen, bei der mit Hilfe einer Handvoll vernetzter IBM-PCs immerhin in Duke Nukem 3D und Quake Wettbewerbe organisiert worden waren. Die seinerzeit noch relativ junge Half-Life Modifikation Counter-Strike hielt übrigens zwei Jahre später bei der achten Euskal Einzug – damals noch im Modus 4on4.
Indem der spanische Veranstalter 2003 die Expansion des Events weiter forcierte – von den Anfängen 1994 bis zu diesem Zeitpunkt waren aus 36 Teilnehmern bereits über 2.500 geworden – wurde auch das Interesse der internationalen Szene geweckt. Taktisch und wirtschaftlich klug wurde nunmehr eine kurzfristige Kooperation mit der Cyberathelete Professional League eingegangen, um auch namhafte Teams aus dem Ausland auf das Event zu locken, das sich nun als ‚CPL Euskal‘ bezeichnete. Das Preisgeld im fünfstelligen Bereich und der CPL-Dallas-Slot für die Gewinner erzielten die gewünschte Wirkung: Fortan sollten allein in CS die Topteams aus insgesamt mehr als 20 Nationen an dem Turnier teilnehmen. Zeitgleich mit dem Heranwachsen der ‚Euskal‘ zur heutigen ‚GameGune‘ etablierte sich auch die Teilnahme deutscher Clans zu einer echten Tradition auf dem Event. Die Deutschen waren stets gute Gäste, mehrfach gar mit vier Teams vor Ort und trugen in der Regel zur Hochklassigkeit und Spannung der Turniere bei. Nicht zuletzt boten sie darüber hinaus auch der heimischen Community in Anbetracht der gezeigten Leistungen immer wieder neuen Gesprächsstoff, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Damit ist nun Schluss. Erstmals seit 2003 wird die GameGune ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Nacheinander lehnten erst mousesports und nun auch Nachrücker Team hardware4u die Einladungen des Veranstalters ab, mit der sie einen der begehrten 16 Slots für das Turnier erhalten hätten. Gerade in Anbetracht der derzeit allgegenwärtigen Diskussionen um den ‚Tod von CS‘ und die internationale Konkurrenzfähigkeit der bundesdeutschen CS-Spieler dürfte diese Nachricht für den heimischen Fan eine ziemliche Enttäuschung sein.Über die Begründungen der Absagen der deutschen Teams kann man indes geteilter Meinung sein. Offiziell hieß es bei mousesports, die Spieler seien auf Grund sommerlicher Kurzurlaube verhindert; böse Zungen behaupten jedoch, Mouz-Rückkehrer Fatih ‚gob b‘ Dayik würde es vorziehen, über den Sommer in Amerika an seiner Poker-Karriere zu feilen. Oder mit Puppen in einem Bett zu kuscheln.
In Anbetracht der jüngsten Meldung, dass Manuel ‚approx‘ Zeitz und Manuel ‚Tixo‘ Makohl das Stamm-Lineup der Mäuse verlassen werden, erscheint jedoch auch das Vorhandensein eines schlagkräftigen und eingespielten Teams zum Zeitpunkt der GameGune zweifelhaft. Der neue Mann an Bord, Michele ‚zonixx‘ Köhler, dürfte zudem im Hinblick auf die derzeit äußerst knapp bemessene gemeinsame Trainingszeit wohl kaum mit seinen Arbeitskollegen eine ausreichende Vorbereitung absolviert haben. Der Fokus des deutschen Klassenprimus‘ scheint ohnehin im fernen Osten zu liegen, da das Team im kommenden Monat bereits auf den e-Stars in Seoul antreten wird.
Ähnlicher Natur sind auch die Beweggründe im Hause h4u. Wie readmore.de aus den Kreisen der Spieler in Erfahrung bringen konnte, werde man den Invite aus Spanien ablehnen müssen, da man derzeit noch nicht über ein vollständiges Lineup verfüge. Man hätte zwar die Möglichkeit gehabt, auch mit einem ‚Mixteam‘ auf der GameGune anzutreten; insbesondere Eduard ‚eddy‘ Schmidt und Sebastian ‚zorn‘ Weber sollen aber in Anbetracht ihrer schlechten Erfahrungen als Stand-Ins für Alternate auf den European Finals der vergangenen IEM-Saison davon abgeraten haben, in unzulänglicher Besetzung an einem solchen Event teilzunehmen. Beide waren Anfang des Jahres bei den Lindenern ersatzweise für das Turnier in Kiew eingesprungen, hatten sang- und klanglos all ihre Gruppenspiele mit Alternate verloren und mussten sich anschließend harte Kritik gefallen lassen.Unabhängig von der Nachvollziehbarkeit der Beweggründe unserer nationalen Vertreter und der zweifelsohne dennoch gegebenen Höchstklassigkeit der Veranstaltung bleibt schließlich ein bitterer Beigeschmack. Eine GameGune, in deren Verlauf man nun zum ersten Mal seit acht Jahren nicht mit einem deutschen Team mitfiebern kann, wird eine andere GameGune sein.
Hoffnung für die Zukunft macht abschließend allerdings eine Auswertung der teilnehmenden Nationen aus den vergangenen Jahren. Abgesehen von den spanischen Gastgebern, deren Nachbarn, Portugal und Frankreich, und unseren deutschen Vertretern hat bisher kein Land lückenlos seit dem Jahre 2003 am Euskal Encounter teilgenommen. Selbst die Schweden, Brasilianer, Finnen, Polen und Ukrainer haben zwischenzeitlich durch Abstinenz geglänzt und sich ihre Auszeiten gegönnt. Und sie sind schließlich 2011 wieder alle mit dabei – so wie wir es uns dann doch bitte im kommenden Jahr auch von ‚unseren Jungs‘ wünschen!Historie deutscher Teams auf der GameGune:
a-Losers (Blizzard – DonKamilo – JohnnyR – neo – voodoo) #1
ProPain (Abbadon – Asso – pret – Qu!ckS!lver – Robkill) #4
2004
mousesports (Blizzard – gore – neo – r4id – Roman R.) #4
a-Losers (Bodo – DonKamilo – MYS – neon – silver) #7-8
Team64 (fleks – Gladiator – Jason – Kapio – silent) #9-12
2005
Team64 (bara – bastian – chief – hack – sabotaGe) #5-6
2006
Speed-Link (ash – hurr1 – MYS – beist – loomit) #7-8
2007
ZYKON (loomit – madferret – beist – Roman R. – fleks) #5-6
TBH (brundle – fox[M] – frigh – pride – gerdi) #13-16
2008
mousesports (gore – Tixo – gob b – Kapio – cyx) #2
n!faculty (b4d – chrizzo – shiddy – gerdi – Frigh) #9-12
TBH (bara – Hanso – roman – todi – blizker) #13-16
ESC (loomit – d0m AZ – rabble – tolgi – MYS) #24
2009
mousesports (cash – cyx – gob b – Kapio – Tixo) #1
TBH (bara – beist – CHEF-KOCH – eddy – threeman) #7-8
Alternate (approx – mooN – paN – roman – Roman R.) #13-16
ESC (d0m AZ – loomit – recki – tankJr – todi) #13-16
2010
mousesports (Blizzard – cyx – d0m AZ – gob b – Kapio) #7-8
Die Gewinner der GameGune 2003 bis 2010:
a-Losers (Blizzard – DonKamilo – JohnnyR – neo – voodoo)2004 –
Gnu (Calippo – cArn – dsn – Nebb – Skipper)2005 –
NiP (HeatoN – zet – walle – Potti – ins)2006 –
x6tence (DeyF – DrastyK – FlipiN – milicua – Musamban1)2007 –
fnatic (cArn – f0rest – dsn – Archi – ins)2008 –
mibr (bit – btt – chucky – Lance – ton)2009 –
mousesports (cash – cyx – gob b – Kapio – Tixo)2010 –
fnatic (Gux – GeT_RiGhT – cArn – f0rest – dsn)




