Die Zusammenkunft im Baskenland, Euskal Encounter, hat begonnen. Zu tausenden strömten die Besucher und Spieler am heutigen Vormittag in das hiesige Exhibition Centre, um an diesem Wochenende gemeinsam die größte Netzwerkparty des Landes zu feiern. Das in der gleichen Location stattfindende Pro-Turnier GameGune findet indes von der breiten Masse vor Ort kaum Beachtung.
Ruhig und entspannt geht es dieser Tage in den Messehallen Bilbaos zu. Obgleich soeben der Startschuss zum nationalen LAN-Event der Superlative gefallen ist und gut 4.000 Spieler ihre rechtmäßigen Plätze in Halle 5 beziehen möchten, kommt zu keiner Sekunde so etwas wie Hektik auf. So füllt sich die Location binnen einiger Stunden allmählich, bis schließlich am frühen Nachmittag kaum mehr leere Stellen in der riesigen Tischlandschaft auszumachen sind. Die Veranstalter dürften bereits jetzt zufrieden sein. Das besondere Flair der Veranstaltung begründet sich nicht zuletzt auch in der Tradition und Geschichte des Euskal Encounters. Was 1994 als Mini-LAN begann, hat sich mittlerweile zu einem Aushängeschild der europäischen Netzwerk-Szene entwickelt, dessen Ende in keinster Weise absehbar ist. Jahr für Jahr pilgern die Spanier, mithin auch viele Portugiesen und Franzosen, nach Bilbao und verpassen der LAN ihr charakteristisches Gesicht. Unzählige gemoddete Cases, liebevoll und kunterbunt geschmückte Monitore, Spielzeugfiguren auf den Towern und hier und da mal ein paar auffällig gekleidete Vorzeigenerds – das alles prägt das Bild der Veranstaltung.Gerade als Deutscher blickt man durchaus mit einem weinenden Auge auf das, was hier stattfindet, was hier in Bewegung ist. Die Spanier frönen dem eSport, feiern sich selbst und ihr Event. In der Halle herrscht eine derart positive und gelassene Stimmung, dass man fast geneigt ist, mit jedem entgegenkommenden Teilnehmer einen Smalltalk einzugehen; und sei es nur über das mittlerweile doch noch richtig gut gewordene Wetter. Jeder hier scheint in gewissem Maße stolz darauf zu sein, ein Teil dieser Veranstaltung zu sein und dadurch auch am Gelingen eines großartigen Wochenendes mitwirken zu können. Nahezu wehmütig denkt man da an vergangene Tage und wünscht sich den einen oder anderen LAN-Dino in Deutschland zurück, der in den letzten Jahren auf der Strecke geblieben ist.
Indes gerät die Zeitgleich stattfindende GameGune in Anbetracht der Gewaltigkeit der Netzwerkparty geradezu zu einer Randerscheinung. Zehn Computer auf einer kleinen Bühne, links wie rechts daneben noch zwanzig weitere und direkt dahinter zwei Klapptischchen für die Vertreter der internationalen eSport-Presse. Das ist alles, was der Veranstalter dem Profi-Turnier beigemessen hat. Als äußere Absperrung hat man ein paar Stahlträger halbkreisförmig um den Bereich der GameGune miteinander verschraubt. Man hat fast den Eindruck, als wisse der durchschnittliche LAN-Besucher nicht so recht, was er von den umzäunten Gestalten halten soll, die sich da in ihrem Gehege bewegen. Nur wenige der Teilnehmer der öffentlichen Veranstaltung scheinen sich für das zu interessieren, was sich in dieser unglücklicherweise etwas abgenabelten Zone abspielt. Vor dem, was sich hier Main-Stage schimpft, stehen vier oder fünf verwaiste Campingstühle. Einer von ihnen ist umgestürzt. Die Turnierleitung hatte sie zu Beginn des Tages in weit höherer Stückzahl dort aufgestellt, um Besucher vor die Bühne zu locken und zum Zuschauen zu animieren. Als sich jedoch kaum ein Abnehmer dieses Angebotes fand, zweckentfremdeten einige der Spieler die Kunststoffsitze, um ihre Sitzposition an den recht hohen Tischen zu optimieren.Und so kam es schließlich, dass die CS-Elite aus der Ukraine und deren Konkurrenten aus Gruppe A ihre ohnehin schon wenig attraktiven Vorrundenspiele ohne Publikum austrugen. Nur vereinzelt verirrte sich eine Handvoll Zuschauer in den Gamingbereich, um Na’Vi oder paiN einmal über die Schulter zu schauen – sehr zur Freude des nationalen Teilnehmers talikemix. Der Lokalmatador konnte sich immerhin trotz absoluter Chancenlosigkeit im Gegensatz zu den Großen der Szene stets über eine kleine Fan-Schar freuen, die dem Team die Daumen drückte.
Die allgemeine spanische Gelassenheit hat also auch auf die GameGune übergegriffen. Während die Gruppenphase sachlich und nüchtern ihren Lauf nimmt und die Favoriten erwartungsgemäß die Außenseiter dominieren, wird es nur in einem einzigen Moment laut. Zu Beginn der Partie zwischen Na’Vi und talikemix werden durch einen Admin versehentlich nach einigen Runden drei Restarts ausgeführt. Die Ukrainer schäumen kurzzeitig vor Wut und attestieren den Administratoren, freundlich gesagt, deren Inkompetenz. Nachdem Arseniy ‚esenin‘ Trynozhenko der Turnierleitung und dem gegnerischen Team eine kleine Regelkunde über den Fortlauf der Partie erteilt hat, beruhigen sich die Gemüter wieder. Gerade die Osteuropäer wissen, dass es noch keinen Sinn macht, die eigene Energie schon zum jetzigen Zeitpunkt für derartige Kinkerlitzchen zu verschwenden. Na’Vi siegt schließlich emotionslos mit 27:3. Talikemix ist dennoch zufrieden, sie haben immerhin drei Runden geholt.



