Zwei Teams aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nahmen die weite Reise nach Bilbao auf sich – trotz der äußerst mäßigen Erfolgsaussichten, die ihnen im Voraus zugesprochen worden waren. Der Optimismus ist sowohl bei den bereits ausgeschiedenen GameHolics, als auch bei IMPULSE ungebrochen.
Zumindest die Demütigung des letzten Platzes blieb den GameHolics auf der diesjährigen GameGune erspart: Das Unentschieden gegen talikemix sicherte dem Team aus den Emiraten gerade noch den fünften Platz in der Gruppe A, vier Runden gaben am Ende den Ausschlag. „Wir konnten einfach nicht mithalten“, resümiert ein ernüchterter sNickeR, „unser Niveau war einfach viel niedriger als das der Europäer“.
So nahm man das Ausscheiden im arabischen Block äußerst sportlich – die linke Seite der Bühne ist im Lauf des Freitag Nachmittags fest in der Hand der Mannen aus den Emiraten. Samt Entourage bringen es IMPULSE und die GameHolics auf fast zwanzig Mann, die den aussichtslosen Weg auf die GameGune angetreten haben. Und das, so zumindest sNicker, um „ein bisschen internationale Erfahrung“ zu sammeln.Fünfzehn Stunden Counter-Strike am Tag
„Wir fahren jetzt nach Hause und trainieren noch härter“, fasst der junge Student aus Al Qusais, Dubai, nüchtern zusammen. Fünfmal die Woche trifft sich das Team für jeweils acht Stunden, so soll die nationale Spitze erklommen werden. Dort hat sich IMPULSE breit gemacht, der bekannteste Clan aus den Emiraten. „Die sind krass, die haben ein paar gute Spieler, die fünfzehn Stunden am Tag spielen“, gibt sNicker Einblicke in das Trainingspensum.
Auf den Schultern des nationalen Aushängeschilds ruhen nun die arabischen Hoffnungen. „Die können auf jeden Fall mithalten“, warnt sNicker vor. „Wenn sie verlieren, verlieren sie knapp“. Auch das Team selbst sieht sich in guter Position. „Wir haben wirklich hart gearbeitet – wir könnten ein paar Probleme gegen diese Teams bekommen, aber ich denke, wir können das schaffen“, gibt sich t0ks vor den Gruppenspielen optimistisch. Zur Erinnerung: Für die international bislang eher durch hohe Niederlagen aufgefallenen Araber stehen immerhin Delta, eSahara und fnatic auf dem Programm.Vorbild Europa
„Unsere Taktiken bestanden bis jetzt hauptsächlich darin, zu rushen und irgendwas zu treffen“, bringt t0ks die Probleme auf den internationalen Events auf den Punkt. „Jetzt versuchen wir langsam zu spielen wie die Europäer“. Dafür habe man „Tonnen“ von Demos angesehen und Anti-Strategien entwickelt. Die GameGune soll der Anfang sein, dann wollen sich die Teams aus den Emiraten auch langsam international etablieren. Für die GameHolics stehen noch die WCG und „irgendein Turnier in der Ukraine“ (O-Ton sNicker) auf dem Programm, IMPULSE will ebenfalls noch den ein oder anderen internationalen Kräftevergleich mitnehmen.
So wollen sich die Emirate langsam aber sicher auf dem internationalen Markt positionieren. In den Gesprächen mit den Spielern macht sich Aufbruchstimmung breit. „2011 war bis jetzt das mit Abstand beste Jahr für Counter-Strike“, erklärt t0ks. Zahllose neue Sponsoren hätten den Markt in Dubai für sich entdeckt.
Die Vermarktung funktioniert schon
Was er meint, wird auf den ersten Blick deutlich – das größte Problem der Organisationen scheint zu sein, all die Logos auf den Trikots unterzubringen. Von A wie Asus bis Z wie Zotac – was Rang und Namen hat, wird von den Arabern beworben. Insgesamt fünfzehn Unternehmen unterstützen die Clans, nVidia zum Beispiel wirbt auf beiden Leibchen. Sicherlich wird der preisliche Rahmen eines solchen Slots nicht annähernd mit denen internationaler Spitzenteams vergleichbar sein – es ist aber doch genug, um ein nach eigener Erklärung absolut chancenloses Team wie die GameHolics samt Anhang von Dubai nach Bilbao, Korea und Kiew zu fliegen.Während also in Deutschland munter der Teufel an die Wand gemalt wird, steht das Wirtschaftszentrum Dubai scheinbar auch in Sachen Counter-Strike vor dem Aufschwung. Hiesige LAN-Cafés organisieren wöchentlich Turniere mit kleinen Preisgeldern, einmal im Monat gibt es, so t0ks, richtig etwas zu gewinnen. „Es wird langsam echt mehr als ein Hobby“, konstatiert der IMPULSE-Spieler, „wir lassen mittlerweile fast unsere Häuser verwahrlosen, um zu bootcampen“.
Mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand will man so alles tun, um es bei Events vom Kanonenfutter zum Global Player zu schaffen. Bislang klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander – doch bereits heute Nacht wollen t0ks und Co. Taten sprechen lassen. Der Unterstützung ihrer Landsmänner dürfen sich IMPULSE jedenfalls gewiss sein: Nach einigen gesammelten Erfahrungen und 38 gewonnenen Runden in sechs Spielen bleiben sNicker und Co. zumindest genug Zeit zum Anfeuern.


