Mit Natus Vincere legte Arseniy ‚esenin‘ Trynozhenko im vergangenen Jahr einen beispiellosen Siegeszug hin. Jetzt steht das Projekt vor der nächsten Stufe: Mit readmore.de spricht esenin über „seine Arbeit“, die Organisation Na’Vi Gaming und die Eindrücke aus Bilbao.
readmore.de: Ihr habt die Gruppenphase jetzt ohne Probleme hinter euch gebracht. Habt ihr euch mehr Widerstand erwartet?
Arseniy ‚esenin‘ Trynozhenko: Naah, wir haben erwartet, vor Probleme gestellt zu werden. Keines der Teams ist ein Spitzenteam, nur k1ck kann man vielleicht zu den Top Ten in Europa zählen. Letztendlich war es für uns wirklich einfach.
Ihr spielt ab Samstag gegen die interessanten Teams. Welches schätzt du am gefährlichsten ein?
Ich denke, ab morgen wird jeder Gegner wirklich interessant. Am Anfang geht es für uns gegen fnatic oder die Franzosen, danach gegen Moscow Five oder die Schweden von ESC – und dann im Finale gegen SK Gaming. Also ist jedes Team wirklich stark und jedes Match wird interessant.Also erwartet ihr, dass ihr gegen SK im Finale spielt.
Ja ich denke, sie werden in ihrer Gruppe Erster und dann geht es für sie in das Winner Bracket, wo wir im Finale auf sie treffen werden.
Auf der DreamHack habt ihr noch gegen sie verloren. Was habt ihr getan, um das ein zweites Mal zu vermeiden? Anti-Strategien?
Nein, natürlich nicht. Wir haben einfach ein paar neue Strategien vorbereitet und viel trainiert. Wir haben sehr viel CS-Deathmatch mit Bots gespielt und haben ein gutes Aiming. Also wird das Spiel gegen SK für uns sehr schwer – wer gewinnen wird, kann man heute noch nicht sagen.
Ihr hattet in der letzten Zeit gravierende Probleme auf de_nuke. Jetzt müsst ihr diese Map definitiv im Finale des Winner Brackets spielen. Habt ihr euch dafür besonders vorbereitet?
Wir haben de_nuke zuvor für ein Jahr und ein paar Monate überhaupt nicht gespielt. Wir haben jetzt gerade erst angefangen, wieder de_nuke zu spielen und sicherlich haben wir auf dieser Map einige Probleme. Aber wir haben sie zuletzt jeden Tag trainiert und einige Demos angeschaut. Ich denke, in Zukunft kann de_nuke sogar eine unserer guten Maps werden.
Wirklich?
Naja, es ist immer noch sehr schwer de_nuke gegen schwedische Teams oder die Polen zu spielen. Die haben jetzt die letzten fünf oder sechs Jahre diese Map gespielt, das macht es für uns einfach sehr schwer aufzuholen. Aber trotzdem wird das Spiel im Finale des Winner Brackets gut, denke ich.
Auf den nächsten Events werdet ihr auch ein paar weitere Maps spielen müssen. Habt ihr schon auf de_mirage und de_forge trainiert?
Nein. Unser Hauptziel war ganz klar die GameGune. Jetzt ist es eine ziemlich absurde Situation, wenn du sieben Maps spielen musst. Es ist sehr schwer, all diese Maps einzustudieren. In Zukunft wird sich wahrscheinlich jedes Teams zwei oder drei Maps aussuchen müssen, die sie nicht so intensiv trainieren. So wird der Faktor Glück ein wichtigeres Element von Counter-Strike.Also bist du nicht wirklich Fan des neuen Map-Pools.
Ich mag die neuen Maps wirklich – ich kenne sie ja schon einigermaßen. Aber ich bin kein großer Fan von dieser Entscheidung. Momentan muss man acht Stunden am Tag CS Spielen, aber in Zukunft wird man zehn oder zwölf Stunden am Tag spielen müssen, um auf diesen Maps vorbereitet zu sein.
Seid ihr bereit, so viel Zeit mit CS zu verbringen?
Klar. Das ist unsere Arbeit und wir müssen gute Arbeit für unsere Sponsoren und Fans abliefern.
Ihr spielt alle hauptberuflich CS. Habt ihr eigentlich einen Plan B, wenn es mal keine allzu lebendige CS-Szene mehr gibt?
Ich denke, in Zukunft werden wir alle weiterhin für unser Projekt Na’Vi-Gaming weiter arbeiten. Wenn wir selbst kein Counter-Strike mehr spielen, helfen wir eben anderen Spielern. Vielleicht gibt es in Zukunft ein Spiel wie Counter-Strike 2 und wir können auch in diesem Spiel gute Resultate abliefern.
Kannst du uns ein bisschen was über eure Organisation erzählen? Ihr habt ja kürzlich mit Spielen wie Starcraft 2 oder DotA ganz schön ausgebaut.
Nun, natürlich wollen wir eine große Organisation wie SK Gaming oder fnatic aufbauen. Aber solche Pläne sind in der Ukraine sehr schwer umzusetzen, weil die Budgets großer Unternehmen für Cybersport-Teams wirklich klein sind. Die wissen alle überhaupt nichts über Cybersport. In Westeuropa kannst du von deinem Hauptsponsor einfach mal 10.000 bis 15.000 Euro verlangen. In der Ukraine bekommst du dafür nicht einmal 2.000 Euro. Aber ich denke, das geht in die richtige Richtung. Momentan haben wir in Starcraft 2 noch eher unbekannte Spieler unter Vertrag, aber die werden sich entwickeln. Vielleicht habt ihr ja gehört, dass HappyZerg jetzt für einen Monat nach Korea zieht, um zu trainieren. Das wird dem Spieler helfen – und in Zukunft wird er für uns gute Resultate abliefern.Ihr hattet Angebote von europäischen Organisationen, ihnen beizutreten.
Ja.
Hättet ihr da nicht mehr Geld verdient?
Am Anfang sicherlich. Aber es ist immer besser, seine eigene Organisation aufzumachen. Du bist keine Marionette von irgendwem. Teams wie SK Gaming können RobbaN oder GeT_RighT einfach so rausschmeißen und stattdessen andere Spieler verpflichten. Hier sind wir die Chefs und entscheiden selbst, wer bleibt und wer geht. Deswegen geht zunächst auch unser Dank an Arbalet. Als wir die Möglichkeit hatten, einem anderen Clan beizutreten, haben wir ihn um Rat gefragt. Er hat uns gesagt „Macht das nicht“ – stattdessen würde er uns helfen. Also konnten wir dank ihm unser eigenes Projekt gründen. Und jetzt haben wir tolle Sponsoren wie Steel Series, Kaspersky, GameFrag oder Antec, die uns unterstützen.
Was denkst du über das Event selbst? Eure Spiele bekommen nicht wirklich viel Aufmerksamkeit. Es schauen ungefähr zehn Zuschauer zu – was denkst du darüber?
Das ist für uns nicht so eine große Sache. Das ist halt das Ding an unserem Sport, dass man alles über das Internet verfolgen kann. Sonst ist die GameGune selbst besser als in den letzten Jahren. Die Computer sind jetzt ein bisschen besser als sonst immer. Ich denke, dass auch bald Zuschauer das Turnier verfolgen. Sonst ist der Eintritt von vierzig Euro eben ein bisschen hoch, um ein paar langweilige Matches in der Gruppenphase zu verfolgen. Wahrscheinlich werden für die Finalspiele schon ein paar Leute kommen.
Aber eigentlich gefallen euch die großen Events mit Zuschauermassen schon besser.
Ja, klar. Viele Zuschauer sind ein weiterer Faktor bei Counter-Strike. Vielleicht werden einige Spieler dadurch nervöser als sonst. Aber für uns ist das wirklich keine große Sache. Wir können hier genauso spielen, wie auf großen Events..
Vielen Dank für das Gespräch.


