Er ist der Vorzeigespieler des spanischen Counter-Strike und möglicherweise der einzige internationale Star der überschaubaren iberischen Szene: Die Rede ist von Jonathan ‚MusambaN1‘ Torrent Sahuquillo. readmore.de hat den 25-Jährigen und dessen Werdegang im Anschluss an ein Interview genauer unter die Lupe genommen.
Geradezu begeistert ist MusambaN1, den alle hier nur ‚Musa‘ nennen, als wir ihn fragen, ob er einer deutschen eSport-Seite ein paar Fragen beantworten wolle. Nachdem wir uns als Redakteure von readmore.de zu erkennen geben, fängt er sogleich an seinen Teammates von dem bevorstehenden Interview zu berichten. Zu Recht merkt er an, dass er bisher noch nicht die Gelegenheit hatte, sich auf einem deutschen Portal zu äußern und „sehr stolz“ sei, diese Gelegenheit nun wahrnehmen zu können.
So wird schon zu Beginn deutlich, dass mit MusambaN1 ein bodenständiger, grundauf sympathischer Spieler vor uns sitzt. „Sorry for my bad English“, schiebt er an – nur um dann doch recht eloquent aus seiner langjährigen Karriere als Profi zu berichten.Internationale Erfahrung auf höchstem Niveau
Was ihn als populärsten spanischen Spieler von anderen Spielern seines Heimatlandes unterscheide, wollen wir von ihm wissen. „Das Entscheidende ist vermutlich, dass ich stets bemüht bin, mein Team zu verbessern, indem ich auch den jüngeren Spielern etwas von meiner Erfahrung mitgebe“, lautet seine bescheidene Antwort.
An Erfahrung mangelt es dem jungen Mann aus Barcelona in der Tat nicht, hat man ihn doch schon auf vielen Events aufspielen sehen, die von internationaler Bedeutung sind. Mit dem ESWC, den IOL Finals, der Dreamhack und eben der GameGune seien nur einige Veranstaltungen benannt, an denen der langjährige Nationalspieler Spaniens mehrfach teilgenommen hat.
Anstrengender Sommer
Dass es auch dieses Mal nichts werden wird mit einem Sieg bei der heimischen GameGune, da macht sich Musa nichts vor. Viel zu wenig Zeit habe man gehabt, sich mit dem neuen Lineup auf das Event vorzubereiten. Mit Aitor ‚milicua‘ Fernández war erst vor wenigen Tagen ein alter Weggefährte MusambaN1s zum Team hinzu gestoßen. „Wir hatten zwar noch vier Tage in Malaga ein Bootcamp, das dürfte uns allerdings wohl kaum auf Augenhöhe mit den Top-Teams gebracht haben“, berichtet er realistisch und mit einem Lächeln. Er sieht das alles hier sehr sportlich. Wenig überraschend rechnet er fest mit einem Finale der favorisierten Teams SK Gaming und Natus Vincere.Vorbereitungszeit dürfte den Spaniern indes auch im Hinblick auf das anstehende Event in Südkorea, den e-Stars, kaum zur Verfügung stehen. „Wir haben die neuen Maps, mirage und forge, überhaupt noch nicht als Team trainiert. Wir wissen auch, dass es sehr heftig für uns werden wird, aber da müssen wir jetzt durch. Notfalls werden wir nochmal bootcampen und sowieso acht oder neun Stunden am Tag durchsüchten.“
eStars-Vote: „Haha, ich weiß auch nicht, was da los war“
Dass x6tence durch die Veranstalter eine Einladung nach Seoul erhalten hatte, hatte international für Verwunderung in der Szene gesorgt. Das Team, das aktuell bei weitem nicht zur Weltspitze gehört, hatte bei einem Community-Vote verdächtig viele Stimmen erhalten und dabei große Namen wie mTw, Moscow Five und auch mousesports hinter sich gelassen. Berechtigterweise stellten wir uns und ihm da die Frage, ob alles mit rechten Dingen zugegangen war. „Haha, nein, ich weiß auch nicht, was da passiert ist. Es lief wohl irgendwie ganz gut für uns und wir sind jetzt einfach nur froh, dabei sein zu dürfen“, sagt er mit einem Grinsen, das uns den Gedanken nicht loswerden lässt, dass dort vielleicht doch zumindest die Community gezielt in Bewegung gesetzt wurde.
Als wir von ihm wissen möchten, wie sich sein Alltag abseits des Computers darstellt, gibt er zu Protokoll, sich seit einigen Monaten fast ausschließlich auf Gaming zu konzentrieren. „Ich hatte bis vor einiger Zeit noch einen normalen Job, mittlerweile würde ich mich aber als Vollzeit-Gamer bezeichnen.“ Überraschenderweise erklärt er weiter, dass man in Spanien durchaus als Computerspieler über die Runden kommen könne und verweist auf seinen letzten Erfolg. „Wir haben vor ein paar Tagen erst die Campus LAN gewonnen und dafür 6000€ Preisgeld kassiert – das ist mehr als genug, um damit machen zu können, was immer man möchte!“ Die hier allgegenwärtige spanische Gelassenheit schwingt mit, wenn er Sätze wie diesen sagt. Man kauft es ihm ab.„Ich bin noch nicht müde“
Schließlich sprechen wir auch das auffällig geringe Interesse an der GameGune an, die neben dem Großevent vor sich hin dümpelt. „Das Problem ist einfach, dass Counter-Strike hier nicht so populär ist. Die Leute zocken mittlerweile lieber Spiele wie League of Legends oder Starcraft 2.“ Womit er Recht hat. Bei einem Rundgang durch die zahllosen Reihen der Euskal wird schnell klar, dass die Leute nicht wegen des Valve-Klassikers hier her gekommen sind. Nur vereinzelt kann man den AWP-Zoom oder die altbewährte AK47 auf einem Monitor ausmachen. „Aber wir arbeiten daran, und es ist auch mein persönliches Ziel, Counter-Strike in Spanien wieder wichtiger zu machen. Erfahrungsgemäß ist das Interesse an der GameGune am ersten Tag ohnehin nie so groß. Bis zu den Finalspielen werden sich aber viele Leute hier eingefunden haben und dann geht hier wirklich einiges – ihr werdet schon sehen!“
Seine persönliche Zukunft sieht Musa darüber hinaus auch noch für lange Zeit im Bereich Counter-Strike. „Ich bin immernoch motiviert, habe Spaß an CS und entwickle mich ständig weiter. Ich bin nicht mehr der Spieler, der ich vor ein paar Jahren war. Ich habe nun die Rolle des Leaders eingenommen möchte eben auch entsprechende Qualitäten ausstrahlen. Die jungen Spieler sollen davon profitieren können, mit mir zusammen zu arbeiten.“ Ob ein Ende seiner Karriere in Sicht sei, fragen wir ihn. „Nein, ich denke noch lange nicht an’s Aufhören. Ich bin noch nicht müde und habe nicht vor, meine Jungs schon allein zu lassen.“


