Johan ‚Naniwa‘ Lucchesi gilt als Favorit für das Battle.net Invitational 2011 in Warschau. Vor ihm liegen allerdings noch viel größere Aufgaben: Ab Montag wird er sich in Südkorea als Code-A-Spieler beweisen müssen. readmore.de befragte ihn zu seinen Plänen.
readmore.de: Im Spiel gegen Strelok schienst du nicht so stark wie zuvor. Lag es am Jet Lag?
Johan ‚Naniwa‘ Lucchesi: Ich denke der Jetlag ist Teil des Problems. Aber dazu kommt, dass ich in den letzten drei bis vier Wochen nicht so viel trainieren konnte wie gewohnt. Das spiegelt sich nun wieder. Als ich erfahren habe, dass ich nach Korea ging, musste ich erst einmal meine Wohnung in Ordnung bringen, alles auf- und ausräumen und sie verkaufen. Da konnte ich nicht wirklich trainieren. Und im Anschluss ging es direkt zur MLG, wo ich augenscheinlich auch nicht trainieren konnte. Und jetzt bin ich gerade erst heim gekommen, war noch ein wenig gejetlagt und bin es wohl noch.
Warst du mit deiner Leistung auf der MLG zufrieden?
Nein, natürlich nicht.
Trotzdem warst du der beste Europäer und einer der besten Foreigners dort.
Ja, ich war der höchst platzierte Europäer, aber das ist nicht so wichtig. Das einzige was zählt, sind Siege. Ich habe es ja nicht einmal in die Top3 geschafft. Ich schäme mich sogar für Europa und Amerika, aber in der Zukunft werden wir hoffentlich mithalten können.
Wenn du der beste Eurpäer wärst, müsstest du dieses Event hier ja logischerweise gewinnen. Oder gibt es jemanden, der dir hier in Warschau gefährlich werden könnte?
Klar kann man immer verlieren. Man braucht ein wenig Glück um Turniere zu gewinnen – am meisten jedoch Skill, aber es gibt immer einen Glücksfaktor. Ich denke ret wird mein schwerster Gegner, weil ich nicht so gut gegen Zerg im Vergleich zu Terra spiele. Ich denke ich bin der Favorit hier, aber selbstverständlich kann ich auch verlieren.
Du wirst gleich nach dem Event nach Südkorea aufbrechen. Das letzte mal, als du dein Land verlassen hast, endete das nicht sehr gut. Was sind deine Erwartungen und Pläne in Korea?
Deutschland war eine ganz andere Geschichte. Kurz als ich die Schule unterbrochen habe, überlegte ich, ob ich nicht weiter studieren oder einen Job suchen sollte. Dann kam StarCraft II raus und ich dachte, dass ich lieber Games zocken möchte. Also war ich nicht wirklich engagiert beim Spielen, tatsächlich bin ich nur nach Deutschland gekommen, weil ich mir nicht sicher war, was ich machen möchte. Offensichtlich nicht mit der letzten Ernsthaftigkeit und so wurde ich am Ende aus der Liga geschmissen. Nun bin ich in Korea und extrem motiviert, allein weil es so viel zu lernen gibt. Ich hoffe nun kann ich jeden Tag 12 Stunden trainieren und am Ende eine GSL gewinnen. Andererseits würde ich es als eine gescheiterte Karriere betrachten.
Also musst du dich durch die Code A kämpfen und dich für die Code S qualifizieren. Dadurch wird es schwer sich auf andere Turniere zu konzentrieren. Ist dir Korea so wichtig?
Korea ist gemeinhin als die aktuelle als Spitze anerkannt und mein Ziel ist es der beste Spieler zu sein. Also muss ich nach Korea gehen und dort trainieren. Ich denke ich kann weiterhin einige europäische und amerikanische Turniere spielen, denn die GSL ist ziemlich flexibel geworden und du kannst deine Spiele bis zu vier Tage verschieben. Hoffentlich bekomme ich das geregelt und kann noch ein paar andere Turniere spielen. Aber wenn ich alles andere für Korea aufgeben muss, dann werde ich das machen!
Wo ist der große Unterschied? Du könntest doch auch 12 Stunden in Europa spielen!
Der Konkurrenzkampf in Europa ist deutlich schwächer als in Korea, das ist ein Fakt. Also kann man das nicht vergleichen, ob man 12 Stunden hier spielt oder in Korea. Ich lege es darauf an mich so schnell wie möglich und so eloquent wie möglich zu verbessern, als war Korea der logische Schritt.
Glaubst du um zukünftig in Turnieren unter die Top 3 zu kommen muss man in Korea leben, oder ist es auch möglich anderswo in der Welt zu leben?
Es ist doch jetzt schon so weit, dass du Turniere kaum noch gewinnen kannst. Ich denke ich war noch am nächsten dran, als ich MC beim HomeStoryCup III schlagen konnte. Aber es war nur ein Spiel. Ich musste feststellen, dass ich regelmäßig im Kampf mit den Koreanern unterlegen war und andauernd gegen MMA, Losira und so verlor. Ich stelle langsam fest, dass ich bessere Trainingspartner brauche um auf dem Top-Level spielen zu können. Und die anderen Top-Spieler merken das auch. Ich weiß das andere Spieler auch noch nach Korea gehen wollen, viele andere denken darüber nach nur fürs Training hin zu gehen. Code A ist daher erst mal nur ein Bonus, ich gehe nicht davon aus, dass ich das Turniere gewinne oder es gleich in den Code S schaffe. Solange ich trainieren kann, werde ich es in der nächsten Saison schaffen.
Du sprichst darüber, dass Leute dort hin gehen wollen. Aber lass mich auch IdrA, ret und TLO erwähnen – Spiele die Korea wieder verlassen haben. Ein großer Faktor war die fehlende Privatsphäre. Besorgt dich das in irgend einer Weise?
Ich bin bereits alles aufzugeben, um der beste Spieler der Welt zu geben. Und wenn ich mit den Umständen in Korea nicht umgehen kann, dann bin ich von mir selbst sehr enttäuscht. Ich denke es wird keinen Grund mehr geben StarCraft 2 weiter zu spielen, wenn ich die Zeit in Korea nicht genieße. Ich hoffe es wird kein Problem und ich kann mich durchkämpfen, wenn es dazu kommt. IdrA war für StarCraft Broodwar für drei Jahre in Korea, vielleicht hatte er einfach genug davon. Ich war bisher noch nie dort. Ret war ebenfalls für Broodwar dort und hat ein paar schlechte Erfahrungen gemacht. TLO genau so… Er hatte ein Karpaltunnelsyndrom, aber ich denke er ist ohnehin nicht so motiviert wie die anderen Spieler. Ich glaube er hat erst kürzlich angefangen wirklich zu spielen und sich nicht länger auf seinem Ruhm auszuruhen, oder was auch immer er bis dahin aufgebaut hat. An FXO sieht man, dass man in Korea sein muss. Bereits in der letzten MLG konnten sie sich weiter nach oben spielen. Und das qxc 4:0 gegen das gesamte IM Lineup gewinnen konnte, zeigt was das Training in Korea bringt.
Ist es wichtig für dich, dass Thorzain mit dir geht?
Thorzain wird, soweit ich weiß, nicht lange dort bleiben. Immerhin fliegen wir zusammen, aber wir werden dort nicht zusammen leben also beeinflusst es mich nicht.
readmore.de bedankt sich für das Interviews.