Jos ‚ret‘ de Kroon hat sich als erster Spieler für das Finale der Battle.net Invitationals empfohlen. readmore.de sprach mit ihm über Erwartungen an dieses, die Fans in Warschau und die Trainingsbedingungen in Europa.
readmore.de: Du hast dein Ticket für die Blizzcon schon sicher. Hast du damit nun alles erreicht, was du von diesem Turnier erwartet hast?
Jos ‚ret‘ de Kroon: Es ist natürlich das wichtigste. Ich bin hierher gekommen, um mich für die Blizzcon zu qualifizieren, also fühlt es sich schon jetzt an wie ein Erfolg und das Finale ist nur noch ein Bonus. Da ist eine Menge Geld im Spiel, also werde ich es sehr ernst angehen. Aber am Ende ist das Blizzcon-Ticket der Grund warum ich hier bin.
Es ist ein Turnier ohne Koreaner, eins der wenigen in den letzten Wochen. Gefällt dir das besser, da es weniger anspruchsvoll ist?
Jep, das ist der Grund, warum ich hier so gut aufspielen kann. Wenn die Koreaner hier wären, hätten sie das Turnier gewonnen. Also ist es ganz gut, dass wir mal nur gegeneinander spielen, nur die Noobs, die dann die Chance haben auch mal was zu gewinnen.
Bist du beeindruckt von den polnischen Fans oder ist es das gleiche wie zum Beispiel bei den MLG Veranstaltungen?
Die Fans in den USA sind ebenfalls sehr begeisterungsfähig, aber um Ehrlich zu sein bin ich schon ziemlich überrascht. Sie haben mich hier von Anfang an unterstützt. Ich weiß nicht warum sie mich mögen, aber ich bin sehr froh darüber wie sehr sich mich anfeuern und mir neben Tarson und Nerchio die Daumen drücken. Sie scheinen StarCraft wirklich zu lieben.
White-Ra wird hier als der „Special Tactics Man“ gefeiert. Gibt es Potential für eine ret-Brand und hast du schon angefangen eins aufzubauen?
Das sollte ich auf jeden Fall machen. Du siehst das an allen beliebten Pro-Gamern, wie beispielsweise IdrA, er hat diese ganze Grecken-Geschichte, White-Ra hat seine Special Tactics und NaNiwa kommt rüber wie ein stummer Serienkiller. Ich denke das ist entscheidend, wenn du in der Zukunft mehr machen willst außer nur spielen. Ich plane mit dem Streamen anzufangen und natürlich werde ich weiter spielen…Ich muss darüber nachdenken, wie meine Brand aussehen könnte, es wäre super wenn sich so etwas einfach aufbauen würde.
Dein Englisch ist sehr gut, wäre vielleicht casten eine Option?
Tatsächlich werde ich mich vielleicht als Caster in der NASL probieren. Das ist also etwas, was ich testen will. Ich weiß jedoch nicht, ob ich spektakulär genug bin. Leute wie Day[9] verlieren einfach durchgehend ihren Verstand über die kleinen Dinge die im Spiel passieren. Aber ich werde es ausprobieren.
Du hast über Möglichkeiten außerhalb des Spiels gesprochen. Aber als Spieler geht NaNiwa davon aus, dass man in Korea sein muss um es an die Spitze zu schaffen. Du hast das zwei Mal hin gegangen und jedes Mal zurück gekommen – würdest du ihm trotzdem zustimmen?
Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass die Spieler, die in Korea aktiv sind, die ganzen großen Turniere gewinnen werden. Ich denke NaNiwa und Thorzain machen genau das richtige, wenn sie jetzt nach Korea gehen. Ich persönlich war jedoch nicht happy dort, ich war nicht ich selbst. Wenn ich es in Zukunft noch mal probieren sollte, dann müsste ich auf jeden Fall komplett mit mir zufrieden sein und mir sicher darüber sein, wo ich im Leben stehe und wie ich mit mir selbst auskomme. Das beinhaltet auch viele Dinge, die nichts mit Gaming zu tun haben. Also vielleicht in der Zukunft, aber derzeit eher nicht.
Also würdest du Turniere bevorzugen, die nur Spieler aus gewissen Regionen zulassen?
Nee, das interessiert mich nicht. Die besten Spieler sollten zu den Turnieren kommen. Ich meinte nur, dass ich in Zukunft weniger gewinnen werde. Das ist ja meine eigene Wahl gewesen – Ich spiele nicht in Korea, obwohl ich könnte. Ich werde mein bestes versuchen und hoffentlich reicht es, dass hin und wieder ein Nicht-Koreaner zustechen kann.
Siehst du Potential für europäische Spieler ihr Training zu verbessern? Vielleicht nicht immer nur 12 Stunden spielen, sondern mehr Zeit auf neue Taktiken und die Analyse von Spielen verwenden?
Ich glaube nicht dass das funktionieren würde, denn ganz ehrlich, in Europa sind alle zu schlecht. Du kannst fünf Pro-Gamer in ein Haus stecken, aber vier von ihnen sind immer noch sau schlecht verglichen mit den Top-200 Spielern auf dem koreanischen Server, schon alleine aufgrund er Anzahl an Spielern die es dort gibt und wenn man bedenkt wie viele Broodwar auf einem Top-Level gespielt haben. Sie haben einfach einen enormen Vorsprung im Bereich Multitasking und im Zusammenspiel zwischen Tastatur und Maus in Vergleich zu den europäischen Spielern. Vielleicht wenn die besten fünf europäischen Spieler in ein Haus ziehen würden und den ganzen Tag gegeneinander spielen würden, dann vielleicht. Aber in den europäischen Häusern leben sie zwar die ganze Zeit zusammen, aber spielen kaum gegeneinander. Die Koreaner setzen sich hin und spielen tatsächlich 20 Mal am Stück gegeneinander; und das über Wochen. Das ist so viel besser und einfach eine andere Mentalität. Ich weiß nicht genau warum Nicht-Koreaner nicht die ganze Zeit gegeneinander spielen, wenn sie schon zusammen in einem Haus leben. Sie sitzen da nur rum, haben Spass, chatten und spielen ein wenig in der Ladder. Sie müssen anfangen gegeneinander zu spielen und ihr Ego außen vor zu lassen. Es gibt so viele, die ein Spiel verlieren und richtig sauer werden, ihren Gegner als Lamer bezeichnen und nicht noch einmal gegen ihn spielen. Und dafür ist an der Spitze des eSports einfach kein Platz. Die Leute sollten darüber nachdenken was sie tun und es ändern.
Du klingst schon wie ein Trainer. Wäre das etwas, was dich interessiert?
Ich hoffe ich habe die Chance etwas im eSport zu machen, wenn ich ein alter Mann bin und selbst nicht mehr spielen kann…
Nicht in den nächsten ein oder zwei Jahren?
Hoffentlich etwas später. Ich bin definitiv offen dafür. Ich bin auch einer von denen, die in einem Progaming-Haus gelebt und nicht gegen die Spieler dort gespielt haben. Also ich weiß wie man es macht, es ist nur schwer es zu tun. Ich könnte auf jeden Fall anderen erzählen wie es funktioniert, darin bin ich gut.
Eine weitere mögliche Karriere also. Bist du allgemein damit zufrieden, wie sich StarCraft 2 entwickelt hat, auch gemessen an deiner Erfahrung als Broodwar-Star?
Als ich angefangen habe es zu spielen, war ich mir nicht sicher, ob ich mich richtig entschieden habe. Aber wenn man es jetzt betrachtet, läuft alles wunderbar – die Zuschauer, die Fans, die Anzahl der Turniere und die Sponsoren. Alles deutet darauf hin, dass alles noch größer werden wird und sich mehr im Mainstream etabliert in der Zukunft. Ich bin sehr zufrieden damit.
Am Ende noch die Frage: Thorzain oder NaNiwa im Finale?
Thorzain – denn ich steh auf Geld!
readmore.de bedankt sich für das Gespräch.