Mit einer Vielzahl von Turnieren macht League of Legends derzeit im eSport von sich reden. Kritiker behaupten dabei oft, die Zahlen seien künstlich erzeugt und das Zuschauerinteresse nicht real. Die gamescom hat gezeigt, dass das nicht der Fall ist.
Es ist brechend voll am östlichen Ende der Halle 9. Kaum ein Durchgang bleibt für die Menschenmassen, die größtenteils ohnehin stehen bleiben und ihre Köpfe in Richtung Leinwand drehen. Dort ist ein Spiel zu sehen, das kürzlich mit der Ankündigung eines Preisgelds von 5 Millionen US-Dollar für die nächste Saison Aufmerksamkeit erregte. Während nebenan der neue Spielmodus Dominion präsentiert wird, läuft auf der Bühne der Intel Extreme Masters das klassische League of Legends.
In den Gängen und auf den Plätzen wird es nie voller als dann, wenn sich die Helden um Creeps und den gegnerischen Nexus streiten. Weder StarCraft II auf derselben Bühne noch DotA 2 in der Nachbarhalle können die Massen zum Zuschauen bewegen, die das Spiel aus der Schmiede von Riot an die Leinwand bannt. Und das sind keineswegs nur zufällige Gäste: Sie klatschen auch ohne Moderatorenanleitung bei guten Szenen begeistert und scheinen das Spiel nicht nur oberflächlich zu verstehen. Auch hinter den Spielern in der Player Area drängen sich die Massen und diskutieren aufgeregt über das gezeigte Können.Grundsätzlich steht League of Legends zwar vor dem gleichen Problem wie alle Strategiespiele – es ist für den unbedarften Zuschauer kaum zu verstehen. Allerdings ist das im eSport auch keine Seltenheit. Weder WarCraft noch StarCraft sind für Laien einfacher zu begreifen. Anders als oft behauptet schmälert das den eSport-Charakter allerdings keineswegs. Würden alle Spiele direkt in ihrer Gänze begreifbar sein, verlöre der elektronische Sport einiges an taktischer Tiefe.
Und so klatschen die Massen auf der gamescom für ein Spiel, das seine Feuerprobe im eSport bestanden hat. Jetzt kommt es darauf an, den Spielern ein Profil zu geben und auf den klassischen Coverageseiten das Spiel in mehr als nur den Ergebnissen zu repräsentieren. Wenn HotshotGG durch die Hallen läuft, muss er unzählige Foto- und Autogrammwünsche erfüllen, ebenso wie Ocelot. Der Rest der Spieler, angesichts ihrer kurzen Verweildauer an der Öffentlichkeit, ist dort noch nicht angelangt. Mit entsprechender Regelmäßigkeit ist das aber auch nicht mehr weit entfernt. League of Legends ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Entwickler den Erfolg seines Spiels entsprechend steuern kann, wenn er die richtigen Maßnahmen für die Vermarktung ergreift und beim Spieldesign langfristig denkt. Allein die Einführung des Dominion-Modus lässt Erinnerungen an alte Zeiten zu, als 1on1 und Team Deathmatch in Shootern parallel existierten. Zu hoffen bleibt nur eines – dass die Fans des Genres ihre Grabenkämpfe einstellen und sich darüber freuen, dass eine neue Disziplin Einzug erhält im eSport und damit neue Zielgruppen unseres gemeinsamen Hobbys erschließt. Ob als LoL, HoN oder DotA, ist dabei doch eigentlich sekundär.

