Das US-Team SixJax Gaming feuerte am Freitag den mexikanischen SC2-Spieler Juan ‚Major‘ Carlos. Was zunächst nur nach einer ‚Wer? Wohin? Warum?‘-Meldung aussah, entwickelte sich in den letzten Tagen zunehmend zu einer öffentlichen Farce, bei der am Ende weder Spieler noch Team eine gute Figur machen.
Begonnen hat alles mit einem fehlenden Trikot bei der MLG Anaheim: Laut seinem ehemaligen Arbeitgeber ließ Juan ‚Major‘ Carlos es bei der MLG Columbus auf seinem Zimmer liegen, anstatt es, wie vorgeschrieben, mitzunehmen und beim nächsten Event zu tragen. Dem Management gegenüber hatte er dann wahrheitswidrig behauptet, er habe die Shirts an Fans verschenkt.
Nach einer Reihe von weiteren Fehltritten entließ SixJax-Gaming den 18-Jährigen am letzten Freitag. Anstatt aber eine typische ‚Wir-wünschen-ihm-alles-Gute‘ – Botschaft zu veröffentlichen, wurde in der Meldung auf der eigenen Homepage noch einmal nachgetreten. Juan Carlos hätte die „Ansprüche auf Professionalität und ethisches Verhalten“ aus Sicht des Sponsors und des Managements nicht erfüllt. Dies sei aus Sicht von SixJax Gaming „schlichtweg inakzeptabel“.
Der Gescholtene ging daraufhin zum Gegenangriff über und veröffentlichte am gleichen Tag unter der TeamLiquid-Meldung einen entsprechenden Post. Er könne sich lediglich an einen Fehltritt erinnern, nämlich die verbotene Teilnahme an einem SEA-Event unter Zuhilfenahme eines anderen Accounts. Die Beleidigung eines Gegenspielers während der MLG versuchte er hingegen zu relativieren. Es sei zwar „falsch“ gewesen, sein Gegner habe ihn aber während des Spiels provoziert. Auch habe SixJax ihn mit falschen Versprechen geködert, so Juan ‚Major‘ Carlos weiter. Mehr als einen Monat vor seinem Beitritt habe man ihm zugesichert, dass er auf Kosten des Teams nach Südkorea reisen könne. Auch als er in Eigenregie nach langem Warten freie Kost und Logis im Teamhaus von NSH arrangiert habe, hätte ihn niemand bei SixJax in seinem Vorhaben unterstützt. Dies hätte in letzter Konsequenz dazu geführt, dass er keine Motivation mehr hatte, für das Team zu spielen. Auch habe er danach alle eingehenden Zahlungen von SixJax Gaming abgelehnt.
Am heutigen Vormittag schließlich veröffentlichte SixJax Gaming eine längere Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen. Darin heißt es unter anderem, er habe seinen Teamkollegen DDE und Teile des Managements beleidigt und sich geweigert, an Turnieren und Events teilzunehmen. Es sei letztlich Major selbst gewesen, der sich nicht an den 15-monatigen Vertrag gehalten habe. Auch bedauere man die Veröffentlichung von Interna. Man habe sich nicht äußern wollen, „die Gerüchte und Anschuldigungen“ seien aber außer Kontrolle geraten und hätten daher eine Reaktion erforderlich gemacht.
Der 18-jährige Mexikaner und Terranerspieler Major zählt zu den großen Talenten der amerikanischen Szene, fiel in der Vergangenheit aber durch unprofessionelles Verhalten auf. Auch SixJax Gaming mit seinem prominenten Teamkapitän Dan ‚Artosis‘ Stemkoski als Galionsfigur steht vor allem wegen seines Hauptsponsors in der Szene nicht besonders gut dar. SixJax ist ein sogenanntes ‚Cent-Auktionshaus‘. Diese haben weithin den Ruf, nicht immer seriös zu agieren. Darüberhinaus trennte sich das Team erst vor wenigen Tagen von Alex ‚Skew‘ Brola, ebenfalls Terraner und ehemaliger Teamkamerad von Artosis beim Broodwar-Clan ‚[media]‘. Auch bei Außerachtlassung der Hintergründe bleibt festzuhalten, dass es bei Schlammschlachten dieser Art nur sehr selten einen Gewinner gibt. Vorliegend wird es einen Imagesschaden sowohl für den nun clanlosen Major als auch für sein ehemaliges Team, SixJax Gaming, geben.