fnatic scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Nach dem Abgang von Harley ‚dsn‘ Örwall steht das Team in diesem Jahr einmal mehr vor der Aufgabe, Ersatz zu finden. Heißester Kandidat dafür ist Michael ‚Friis‘ Jørgensen. Doch innerhalb des Teams gibt es weitere Baustellen. Ein Report über die internen Konstellationen im Team und: wann über Sunde nachgedacht wurde. Von Nils ‚hellphyte‘ Johannsen.
Sollte Friis tatsächlich kommen, würde fnatic zum ersten Mal mit einem Dänen im Lineup antreten. Was für viele überraschend kommen würde, hatte sich zum ersten Mal jedoch bereits zur letzten Jahreswende als Option aufgetan. Zu der Zeit stand fnatic kurz davor, einen gewissen Christoffer ‚Sunde‘ Sunde zu verpflichten. Der Deal zerschlug sich jedoch, stattdessen kommt nun mit etwas Verspätung vermutlich ein anderer dänischer Sniper. Auch war damals nicht die Inaktivität von dsn angedacht, vielmehr war das Team nach den Abgängen von Patrik ‚f0rest‘ Lindberg und Christopher ‚GeT_RiGhT‘ Alesund sowieso auf der Suche nach einem neuen Spieler.
- Quelle: GameGune 2011
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- Quelle: IEM V World Championship
Eine Verpflichtung Sundes wäre zumindest aus sprachlicher Sicht kein Problem gewesen. Der ehemalige mTw-Star war lange Zeit mit der Schwedin Sofie ’nisse‘ Adolfsson liiert, die auch schon HeatoN in seinen legendären Armen halten durfte. Während der Beziehung arbeitete Sunde fleißig daran, seine Schwedisch-Kenntnisse aufzufrischen. Dabei setzte er auch ganz eSportliche Methoden ein: Nächtelang verbrachte er auf Ventrilo-Servern, um mit schwedischen Freunden aus der eSport-Szene DotA zu spielen. Einige der Schweden witzelten schon, ob er keine dänischen Freunde mehr hätte. Ein Kommunikationsproblem hätte es bei fnatic also nicht gegeben.
Warum genau Sunde am Ende nicht zu fnatic kam, ist unklar. Ein Grund könnte sein, dass er vorhatte, einen Bildungsweg außerhalb der CS-Server einzuschlagen. Er kommt aus sehr gutem Elternhaus – der Vater ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Gehirnchirurgie – und nach mehreren Jahren Progaming und einer anschließenden, ausgiebigen Amerika-Rundreise hat er wohl die Zeit gesehen, seine normale Bildung weiter voranzutreiben. Was mittlerweile daraus geworden ist, ist nicht genau bekannt. Fest steht jedoch, dass es ihn wieder in den Fingern juckt, zur Maus zu greifen. Vielleicht bei mTw?
Dickkopf Friis – kriegt cArn ihn in den Griff?
Doch zurück zu fnatic. Mit Friis würde man sich einen schweren Charakter ins Boot holen, der schon in vielen vorherigen Teams für Unruhe sorgte. Verwunderlich, da man bei den Schweden sonst immer großen Wert auf Loyalität und respektvolles Verhalten legte. Sollte Friis diese Ansprüche nicht erfüllen, würde das vor allem die Position von Patrik ‚cArn‘ Sättermon schwächen. Seine Fähigkeit, spielerische Talente zu sichten, steht außer Frage. Spieler wie Gux, GeT_RiGhT oder Xizt entwickelten sich unter ihm zu absoluten Weltklassespielern. Doch mit Manne ‚manne‘ Nordqvist machte der langjährige Teamcaptain zuletzt einen schwerwiegenden Fehlgriff. Unabhängig vom spielerischen Potential musste cArn im Endeffekt zugeben, dass er sich menschlich in manne getäuscht hatte und jener nicht die nötige Professionalität und Einstellung besaß, seine Leistung in wichtigen Matches abzuliefern. Sollte Friis gleiches Schicksal ereilen, würde dies cArn in eine schwere Position bringen.
- Quelle: IEM V World Championship
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Auf der einen Seite scheint der Ansager bei fnatic nach wie vor unantastbar. Kein Wunder, pflegt er doch eine jahrelange Freundschaft zu Clanchef Sam Mathews, teilt sich sogar in London eine Wohnung mit ihm, arbeitet mit ihm als Angestellter im dortigen fnatic-Büro. Ein Rauswurf cArns ist undenkbar. Auf der anderen Seite würde es auf Dauer schwer fallen, von ihm zusammen gestellte, erfolgslose Lineups zu rechtfertigen. Dazu fehlt nun mit dem Abgang von dsn sein bester Freund und Fürsprecher innerhalb des Teams, in dem die Fronten auch etwas verhärtet sind. Zuletzt schien sich im Squad eine Dreier- und eine Zweiergruppe zu bilden: Auf der einen Seite die loyalen Leistungsträger in Form von cArn, dsn und Xizt, auf der anderen das Duo Faruk ‚pita‘ Pita und Rasmus ‚Gux‘ Ståhl.
Grüppchenbildung innerhalb des Squads
Die Dreier-Fraktion galt bis dahin als Entscheidungsträger innerhalb des Clans und Teams. Doch nach dem Abgang von dsn ist dies wohl hinfällig. Da auch Xizt kein typischer Lautsprecher ist und sich eher im Hintergrund hält, lastet der gesamte Druck nun auf cArn. Keine angenehme Situation, da das Verhältnis zu Gux und pita etwas abgekühlt ist. Immerhin ließ Gux einst das Team in einer öffentlichen Schlammschlacht für seinen Wechsel zu SK im Stich, um dann doch wieder zurückzukehren. pita wurde erst von cArn rausgeworfen und später doch wieder rehabilitiert. Es wirkt so, als würden die beiden bewusst ihr Schicksal als die zurückgekehrten, verlorenen Söhne teilen. Frei nach dem Motto: Wir wissen auch so, was ihr an uns habt. Wir wissen, dass ihr uns braucht. Nicht mehr, nicht weniger.
Bestes Beispiel auf den e-Stars in Seoul: Nach dem Ausscheiden ging die Dreier-Fraktion abends in das Partyviertel Gangnam, um gemeinsam mit den anderen Turnierteilnehmern, Redakteuren etc. den Frust wegzufeiern. Selbst der sonst so schüchterne Xizt taute im Verlauf des Abends auf. Gux und pita dagegen zogen es lieber vor, im Hotel zu bleiben und dort das Fitnessstudio aufzusuchen. Aus der Ankündigung „vielleicht später nachzukommen“ wurde nichts. Stattdessen gingen beide früh ins Bett und ließen auch sonst das Bedürfnis nach sozialen Kontakten auf und außerhalb des Events vermissen.
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Sollte nun wirklich Friis zum Team stoßen, würde dies wohl zeigen, wohin die komplizierte Verflechtung im Team letztendlich führt. Kriegt der Däne seinen Dickkopf nicht in den Griff, wird es verdammt schwer für cArn, das Ruder in diesem Jahr noch auf Erfolgskurs zu drehen. Seine Person würde vermutlich weiter zum Gegenstand öffentlicher Kritik werden und er müsste einmal mehr zeigen, dass er – wie schon so oft zuvor – selbst unter stärkstem Druck nicht einknickt. Sollte Friis sich dagegen gut integrieren, könnte das die Wogen im Team wieder etwas glätten. Möglicher Erfolg könnte auch pita und Gux wieder etwas näher an den Rest rücken und man könnte so einen Schritt mehr in Richtung Kollektiv machen. Genau jenes hat fnatic immer so stark gemacht.
Morgen folgt ein weiterer Artikel: Was zur gleichen Zeit hinter den Kulissen von mTw.int passierte.







