Nachdem gestern bereits die internen Konstellationen bei fnatic betrachtet wurden, folgt heute ein Report über die Dänen von mTw.int. Auch dort gab und gibt es weitaus mehr Probleme als nur die Suche an einem neuen Spieler, der in die Fußstapfen von ave bzw. dem Kurzzeit-Missverständnis Friis treten soll. Wessen Stuhl wackelt, wer schon gehen sollte und warum mJes Comeback nicht geklappt hat. Von Nils ‚hellphyte‘ Johannsen.
Michael ‚Friis‘ Jørgensen kann auf einen gut geregelten Tagesablauf blicken: Neben Counter-Strike spielt er äußerst gerne und erfolgreich in seiner Heimatstadt Kopenhagen Fußball, seine Beziehung mit Ex-Les Seules Anette ‚Cazzidy‘ Skarderud hält auch schon einige Zeit und auf den CS-Servern dieser Welt verdient er sich im Moment wohl die Bezeichnung „Beste AWP Dänemarks“. Doch glaubt man seinen ehemaligen Teamkameraden, trügt der Schein vom netten Sunnyboy.
Stattdessen handelt es sich um eine äußerst anstrengenden jungen Mann, der mit seinem dickköpfigen Charakter und seiner wenig einsichtigen Art die Geduld jedes Teams bis ans bittere Ende treiben kann. Bereits vor fünf bis sechs Jahren, als sein Stern bei Teams wie Ideal Gaming oder SoA zu leuchten begann, machten seine Teamkameraden oft ihn als den faulen Apfel aus, der alle anderen im Korb ansteckt. Kam es damals wieder einmal zu einem der traditionellen Lineup-Wechsel in Dänemark, konnte man nicht selten öffentliche Seitenhiebe Richtung Friis vernehmen.
Friis‘ AWP-Monopol ebnete seinen Weg zu mTw
Mit dem Ballast seiner Stimmungsschwankungen wurde es für ihn auf Jahre unmöglich, einen Platz im dänischen Dauer-Nummer 1-Team von mTw zu ergattern. Unabhängig von seiner unbestrittenen spielerischen Klasse und seinem offenbar ausgeglichenen Charakter außerhalb der Counter-Strike-Welt. Als am 28. August schließlich die Meldung eintrudelte, dass er ab sofort doch unter mTw-Flagge spielt, war die Überraschung vielerorts groß. Sprach man in der Vergangenheit andere Progamer auf Friis und mTw an, war das Echo fast immer gleich: „Das wird nie passieren, dafür passt er vom Charakter her nicht ins Team.“ Schwedische Spieler zogen dabei gerne den Vergleich mit Anders ‚moddii‘ Fridh, der – wie sie sagen – aufgrund „persönlicher Gründe“ niemals einen festen Platz bei SK oder fnatic ergattern wird.
Doch warum hat sich mTw trotzdem in das Abenteuer Friis gestürzt, welches nach der typisch dänischen Lineup-Zeitspanne von 11 Tagen bereits beendet war? Ein Grund dürfte sein, dass man endlich wieder einen puren AWP-Spieler in den Reihen haben wollte. Ohne Zweifel: Martin ‚trace‘ Heldt hat sich „am Grün“ zwar mehr als bewährt, nichtsdestotrotz ist er kein geborener Sniper. Es ist kein schönes Gefühl für ein Team, wenn man weiß, dass zwar jemand an der AWP einen ausgezeichneten Job macht, aber mit den anderen Waffen noch stärker sein könnte. Das gleiche Problem schleppte SK lange mit sich rum, als man nacheinander RobbaN, kHRYSTAL, dennis und wieder RobbaN die AWP aufzwang, bis man endlich Delpan verpflichtete. Schlagartig ging es mit dem Team bergauf.
Das Problem nur: Außer Friis gibt es auf dem dänischen Markt momentan kaum gute, aktive AWP-Spieler, die mTw wirklich helfen könnten. Nuggi, TAY, zaider – alles gute Jungs, ohne Zweifel. Aber keiner von ihnen könnte das Team wirklich auf die nächste Stufe heben. Also musste man sich zwangsweise für Friis entscheiden. Dass dies eine falsche Entscheidung war, hat man aber zumindest elegant gelöst, indem man den Schrecken beendet hat, bevor er überhaupt richtig beginnen konnte.
- Quelle: readmore.de (http://www.readmore.de)
- Quelle: ESL (http://www.esl.eu/enc/2010/berlin/gallery/?event=556)
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Als auch minet und ArcadioN ins Wanken gerieten
Doch auch an anderer Stelle rumort es im Team. Da wäre nämlich Oliver ‚minet‘ Minet, der alles andere als fest im Sattel sitzt. Anfang des Jahres meldete sich nämlich ein gewisser Muhamed ‚mJe‘ Eid bei seinen ehemaligen Teamkameraden zurück und signalisierte, wieder etwas Zeit für und Lust auf CS zu haben. Gesagt, getan – fortan trainierte das Team mit ihm für die anstehenden Turniere, ohne minet. Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass mJe wohl doch nicht die Zeit und Langfristigkeit garantieren könnte, die man im Hause mTw erwartet hatte. Also durfte der verlorene Sohn minet wieder zurückkehren. Ob es ein herzlicher Empfang mit offenen Armen war, ist unbekannt und äußerst fraglich.
Selbst Ansager Timm ‚ArcadioN‘ Henriksen wurde hinter den Kulissen oft zum Gegenstand von Diskussionen. Viele dänische Vertraute bescheinigten ihm ab und zu eine gewisse Unsicherheit und bei weitem nicht die Führungsstärke, die ein ave jahrelang an den Tag legte. Ein langjähriger Vertrauter des Teams sagt: „Um ehrlich zu sein habe ich nicht das Gefühl, dass er einen guten Job macht.“ Und nun geht der Leitwolf ave auch noch von Bord. Auch wenn es auf dem Scoreboard nicht immer so aussehen mochte: Fragte man andere Spieler nach ave, gerieten diese stets ins Schwärmen, betonten wie schwer es sei, gegen ihn zu spielen und wie wichtig er selbst als Fragger für das Team sei. Dass er die Maus nun an den Nagel hängt, bedeutet vor allem ein Mehr an Arbeit für einen: Danny ‚zonic‘ Sörensen.
- Quelle: zotob.org (http://www.zotob.org)
- Quelle: readmore.de
- Quelle: ESL
Jetzt ist wieder Super-zonic gefragt
Auf seinen breiten Schultern ruht seit Jahren eine riesige Last bei mTw: Zusammen mit ave und ArcadioN arbeitete er stets die Taktiken aus, dazu spielt er die zweite AWP, wenn benötigt. Ihm wird in den Pistolenrunden als T die USP-Kevlar-Kombination anvertraut und er war stets der Mann für die Unterzahlsituationen – zuletzt aus schmerzlicher deutscher Sicht in einem herrlichen 1on4 auf den e-Stars gegen mousesports. Zudem ist er der Dienstälteste, das letzte Relikt aus der Zeit, als NoA zu mTw wurde, der letzte Ritter des 08er-Lineups. Eine Karriereleistung, die sich kaum genug würdigen lässt. Nebenbei hat er kürzlich auch seine langjährige Jugendliebe und treue Eventbegleiterin Elif geheiratet. Doch wie lange kann jemand überhaupt so ein riesiges Maß an Verantwortung tragen?
Um sich selbst etwas zu entlasten, wäre davon auszugehen, dass zonic einen Vertrauten seiner Wahl ins Boot holt. Das gescheiterte Experiment Friis dürfte vor allem durch dessen langjährigen Freunde trace und ArcadioN forciert worden sein. Was am Ende dabei rauskam, stärkt die Position der beiden innerhalb des Teams nicht wirklich. Setzt zonic jetzt auf altbewährtes Personal?
Möglich wäre zum Beispiel Christoffer ‚Sunde‘ Sunde. Ausgezeichnet an der AWP, dazu entwarf er schon damals im legendären 2008er-Team zusammen mit ave und zonic die Taktiken. Er wäre also eine Entlastung und Verstärkung in mehreren Bereichen. Aber kann er momentan die Zeit für CS aufbringen? Wenn ja, dann ist er eine heiße Option. Auch der Name Andreas ‚KK‘ Andreassen fiel einige Male. Der ESWC-Sieger von 2004 ist ebenfalls ein grandioser AWP-Spieler und dazu neben ave der wohl beste Ansager, den Dänemark jemals zu bieten hatte. Doch auch seine Maus fängt schon seit einiger Zeit Staub, wurde nur für einige Spaß-LANs mit alten Freunden aus dem Schrank geholt. Auch hier stellt sich also die Frage nach der Zeit. Ebenso bei mJe, dessen Name ja bereits fiel. Jener hat zwar schätzungsweise noch nie eine AWP in Händen gehalten, würde dafür aber ein großes Maß an Eigenverantwortung und guter Laune mitbringen. Balsam auf Wunden von Teams, in denen es rumort.
- Quelle: ESL (http://www.esl.eu/enc/2010/berlin/gallery/?event=556)
- Quelle: readmore.de
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Zu abgeklärt für einen weiteren Fehler
Wer nun wirklich kommt, scheint momentan vollkommen offen. Vielleicht keiner der drei Kandidaten? Vielleicht alle drei in Form eines Rundumschlags? Vielleicht hilft ave doch noch aus, bis eine Lösung gefunden wird? Oft fällt es schwer, eine Prognose für das mTw-Team abzugeben. Doch genau darin liegt die Stärke des Squads. Seit Jahren hält man sich konstant an der Weltspitze und musste sich nur selten durch Schwächephasen kämpfen. Dazu scheint es fast so, als sei die Außendarstellung der Spieler perfekt. Keine handfesten Skandale, keine kontroversen öffentlichen Statements, stattdessen immer viel Communitynähe von vor allem zonic. Eine beeindrucke Leistung, wenn man über die vielen Brandherde und den Druck innerhalb des Teams Bescheid weiß.
Trotz aller Spannung, was sich die nächsten Tage in Sachen Lineup ergeben wird, kann man also doch mit einer gewissen Ruhe auf das Team schauen. Man hat bei den Dänen immer das angenehme Gefühl, dass Spieler und auch Clan fast jede Situation mit einer gewissen Leichtigkeit zu meistern wissen, wie sie es im eSport nur selten gibt. Auch dieses Mal wird mTw vermutlich sogar gestärkt aus dem kurzzeitigen Ausflug in unruhige Gewässer zurückkehren. Zu gönnen wäre es ihnen – und vor allem zonic – allemal.
Zum gestrigen Report: „Das ist die Situation innerhalb des fnatic-Teams“








