Lange Zeit hatten deutsche Counter-Strike Fans auf Erfolge heimischer Teams warten müssen. Nun endlich scheinen die Früchte kontinuierlicher, zielstrebiger Arbeit im und am Team von mousesports reif für die Ernte zu sein. So bestätigte sich beim ESWC in Paris das, was sich bereits in den vergangenen Wochen bei den IEM Qualifiers andeutete: mouz kann nicht nur mit den Großen der Szene mithalten, sondern sie auch wieder schlagen.
Nur zu oft hörte man in der jüngeren Vergangenheit das laute Stöhnen der CS-Community, wenn die deutschen Vertreter wieder einmal bereits in der Online-Qualifikation für ein Event an vermeintlichen Nobodys scheiterten. Im internationalen Vergleich spielten unsere Teams längst keine ernst zu nehmende Rolle mehr. Vielmehr dürften sich die Spitzenteams rund um den Globus regelmäßig darüber gefreut haben, wenn ihnen im Turnierbaum ein Gegner mit der schwarz-rot-goldenen Flagge zugelost wurde.
Selbst die Zeitzeugen der fetten Jahre der deutschen Vorzeigeteams dürften dieser Tage nur noch schwer zu finden sein. Noch heute schwelgen viele Fans in Erinnerungen an das goldene mouz-Jahr 2008. Das glorreiche Lineup bestehend aus gore, Tixo, gob b, Kapio und cyx erreichte seinerzeit die Finalpartien der WES Masters sowie der GameGune und krönte sich selbst mit dem Gewinn der Intel Extreme Masters II beim Heimspiel auf der CeBIT. Jubel in ganz CS-Deutschland.Für einen Blick auf die herausragenden Leistungen der Lindener von Alternate müsste man mittlerweile in das Archiv gehen und dort den Staub von den Geschichtsbüchern pusten – 2006 gilt als das erfolgreichste Jahr der Clangeschichte. Der WSVG-Finalsieg von mooN, Chucky, CHEF-KOCH, roman und Kapio gegen Team3D ist bis heute legendär. Dazu kommen Podestplätze beim Intel Summer Championship sowie dem ESWC 2006.
Nun, im Jahr 2011, scheinen sich die Spieler noch einmal vorgenommen zu haben, für ihre Fans einen bühnenreifen Abgang hinzulegen, bevor die Vorhänge für ‚Counter-Strike 1.6‘ endgültig fallen.
Insbesondere mousesports spielte sich in den letzten Monaten auf ein konstant hohes Level und klopfte dabei mehrfach an die Tür zur Weltelite. Gegner wie die Lions oder Lieblings-Herausforderer WinFakt wurden dabei reihenweise in die Schranken gewiesen und können mit den Mäusen längst nicht mehr mithalten. Einzig und allein die skandinavische und osteuropäische Elite vermochte gob b und Co. noch ihre Grenzen aufzuzeigen.Mit dem umkämpften Sieg gegen die Polen von AGAiN und dem daraus resultierenden dritten Rang beim ESWC rehabilitiert sich mouz nun nach einer langen Durststrecke. Das Erreichen des Siegerpodiums dürfte wie ein gefühlter Turniergewinn zu werten sein und neuen Mut für bevorstehende Aufgaben machen, denen sich die Spieler mit breiter Brust stellen werden. Mousesports ist wieder angekommen im Kreise der globalen CS-Spitze und hat sich durch seine Leistungen selbst wieder als ernst zu nehmenden Gegner etabliert.
Nicht unterschlagen werden soll an dieser Stelle die respektable Leistung des Lindener Werksteams. Alternate überraschte mit einem deutlichen Sieg über fnatic in der Gruppenphase auf nuke und kegelte die Schweden damit gar aus dem Turnier. Im Viertelfinale musste sich aTTaX schließlich auf drei Maps gegen AGAiN geschlagen geben. Neben einer Platzierung unter den besten acht Teilnehmern und einem Preisgeld in Höhe von immerhin 2.000 Euro dürfte auch die Tatsache Grund zur Freude sein, dass man damit zu einem aus deutscher Sicht mehr als erfreulichen Gesamtergebnis des Turnieres beigetragen hat. Fortsetzung? Nicht ausgeschlossen.Im Ausblick auf die folgenden Events – beispielsweise die Dreamhack Winter, weitere IEM Qualifiers und natürlich die dazugehörigen Global Finals Anfang 2012 – darf sich der deutsche CS-Fan nun wahrlich wieder auf die Auftritte unserer Teams freuen. Und vielleicht bejubeln wir dann auch nicht nur einen dritten Rang, sondern erleben seit langer Zeit mal wieder einen deutschen Turniersieg. Zuzutrauen wäre es zumindest mousesports allmal.


