Vorgestern eröffnete Carlo ‚ClouD‘ Giannacco im TeamLiquid-Forum einen Thread über ausbleibende Gewinnauszahlungen der letzten Monate. Innerhalb von kurzer Zeit kamen mehrere hundert Antworten zusammen. Zu Wort meldeten sich dabei bekannte Spieler, Organisatoren, Caster und andere Persönlichkeiten der eSports-Szene. readmore.de mit einer Zusammenfassung der Diskussion.
Es ist nicht das erste Mal, dass man Beschwerden von Spielern und Teams über verspätete Preisgelder liest. Viel mehr kommt es in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu derselben Diskussion über das Thema, das in einer Zeit von mehr und mehr Turnieren immer alltäglicher wird. ClouD eröffnete die Diskussion mit Kritik an verschiedene Organisatoren. Er wartet beispielsweise noch auf die 2.000 Euro Preisgeld der ESL von der 17. Ausgabe der EPS aus dem Dezember 2010. Auch die UGC, ein von Quake-Spieler stermy organisiertes Turnier, hat innerhalb der letzten sieben Monate kein Geld an ihn überwiesen, obwohl ihm 1.600 US-Dollar für den zweiten Platz zustehen. Zum kürzlich beendeten ESWC sagte er, dass bisher keiner bei ihm nach den Kontodaten nachgefragt habe. Zusammen mit den ausbleibenden Zahlungen von mehreren kleinen Turnieren wartet er inzwischen auf einen Betrag von 6.000 US-Dollar. Viele Auszahlungen wurden erst vorgenommen, nachdem ClouD sich selbst bei den Zuständigen meldete und nachfragte. Von Seiten der ESWC gab es später die Antwort, dass die schlechte Zahlungsmoral der Vergangenheit (die mehrmals im Thread genannt wurde) kein Problem der neuen Inhaber sei. Viele verbinden mit dem ESWC noch die alten Inhaber, die aber Bankrott gingen. Man versicherte, dass man letztes Jahr innerhalb von wenigen Wochen alle Auszahlungen tätigte und auch dieses Mal dies so geschehen wird.
Auf einen Vorschlag eines Users, dass man solche Turniere in Zukunft boykottieren sollte, antwortete Aleksandar ‚Beastyqt‘ Krstic, dass dann nicht mehr viele Turniere übrig bleiben, da 90% dies so machen. Der nächste Spieler der sich dazu äußerte war der Deutsche Jonathan ‚DarK.FoRcE‘ Belke. Er sagte, dass er eine Liste pflegt, die alle nicht ausgeführten Zahlungen beinhaltet und schrieb diese auch kurze Zeit später. Neben einigen Turnieren, die erst vor kurzer Zeit beendet wurden, fehlt ihm auch noch das Geld der DreamHack Winter 2010 oder der zweiten IPL-Saison. Aber nicht nur Schlechtes wusste er zu berichten. Auch wenn das Geld der ersten North American Star League etwas später eintraf, war er dennoch über die relativ schnelle Abwicklung erfreut. DaRk.FoRcE bestätigte die Aussage von ClouD, dass auch er oftmals den Kontakt selber herstellen musste und nur in seltenen Fällen dies vom Organisator geschehen wäre. Tim ‚merz‘ Olsson nahm später die DreamHack in Schutz und sagte, dass er sich immer an die Auszahlungsregeln gehalten immer und immer pünktlich das Geld erhalten habe, auch von dem Event im Winter 2010.
Artur ‚Nerchio‘ Bloch gab zu Protokoll, dass er selbst schon mal über die Erstellung eines solches Threads nachdachte. Bei ihm sei das Problem aber nicht so groß gewesen, da die letzten Turniere „nur“ drei bis vier Monate zurück lagen, wo er noch auf das Geld wartet. Er gab an, dass er sich immer sehr um die Auszahlungen bemüht und teilweise auch Kontakt über andere zu den Verantwortlichen herstellt. Marcus ‚ThorZaIN‘ Eklöf beschränkte das Problem einzig und allein auf die ESL, alle anderen Organisatoren hätten den Umständen entsprechend schnell die Gewinne ausgezahlt. Auf eine Auszahlung in Höhe von 1.000 US-Dollar der „The Gathering“ wartet Silviu ‚NightEnD‘ Lazar noch. Der Finne Juha-Matti ‚Satiini‘ Bäckström wartet sogar noch auf das Preisgeld aus seiner Warcraft 3-Zeit vom ENC 2010. Hayder ‚HayprO‘ Hussein betonte den Umstand, dass Spieler nach 15 Minuten Verspätung disqualifiziert werden, selber aber monatelang (auf eine Auszahlung der Gewinne) warten müssen.
Aber nicht nur Spieler meldeten sich dazu zu Wort. Der Caster und Veranstalter des Turniers „Battle in Berlin“, Andre ‚SpecialEndrey‘ Lehmann, äußerte sich ebenfalls zu der Sachlage. Er bestätigte den allgemeinen Tenor, äußerte sich aber allerdings auch aus der Sicht der Organisatoren, die oftmals nichts für späte Auszahlungen können, da sie selber auf Gelder der Sponsoren warten. Dies sei zwar keine allgemeine Entschuldigung, jedoch sollte man nicht immer die ganze Schuld auf die Veranstalter schieben. TotalBiscuit sagte, dass die schlechte Zahlungsmoral ein Grund für ihn gewesen sei, das SHOUTcraft Invitational zu starten und dabei nur Turniere veranstaltet, wenn das Geld bereit zur Auszahlung ist. Innerhalb von 24 Stunden landet das Geld per PayPal bei den Spielern.
Der Manager des Teams FXOpen sagte, dass genau aus diesem Grund seine Spieler keine Unterstützung für eine Teilnahme an einem IEM-Event bekommen und dies aus eigener Tasche zahlen müssen. Er versteht aber beide Seiten, da er weiß, da es oftmals mit Sponsorengeldern und der Buchhaltung nicht so einfach ist. 30 Tage sollten laut seiner Meinung allerdings die maximale Dauer der Auszahlung sein. Falls dies nicht möglich ist, sollte Spieler dies vorher erfahren, damit sie selber anschließend über die Teilnahme entscheiden können. Joshy.IGN war der nächste Turnierveranstalter, der sich zu dem Thema äußerte. Er bestätigte, dass alle IPL 1-Auszahlungen bereits geschehen sind und sie derzeit dabei sind, alle Spieler aus der zweiten Saison zu bezahlen. Das Finale ist noch keine 90 Tage her und die Zahlungen sollten in dieser Woche das Unternehmen verlassen. Die Spieler wären über die Dauer bereits bei der Abgabe der Bankdaten informiert worden. Er versicherte, dass jeder sein Geld in einem vernünftigen Zeitrahmen erhalten wird. Dem entgegen stand kurze Zeit später ein Kommentar von Gregory ‚IdrA‘ Fields, der besagte, dass er noch kein Geld aus der ersten IPL Saison erhalten habe, welche er gewann. Er gab aber zu, dass die IPL eine gute Organisation ist und andere Spieler bereits alles erhalten habe, er allerdings nicht.
Auf der Suche nach der Wahrheit antworte Joshy.IGN, dass sie sich gerade mit IdrA unterhalten und versuchen das Missverständnis aufzuklären. Zur ESL sagte IdrA, dass sie zwar alle Beträge bezahlen, aber immer erst sehr spät. Von ESL-Seite kam nun auch der Intel Extreme Masters-Verantwortliche, Carmac, zu Wort und bestätigte, dass die IEM in ihrem Zeitplan mit dem Auszahlungen liegt. Der Zeitplan besagt, dass innerhalb von drei Monaten nach Ende der Events die Gewinne ausgezahlt werden und im Falle der Global Challenge Cologne ist dies der November.
Der schwedische Spieler Faton ‚LaLush‘ Rekathati sieht das Problem bei den Veranstaltern. Während dies bei kleineren Turnieren schwieriger mit Sponsoren ist, sollte größere Organisationen dafür sorgen, dass Geld entweder vor dem Turnier bereits zu haben oder wasserdichte Verträge für danach zu besitzen. Auch die Administratoren handeln in den meisten Fällen alles andere als perfekt und wissen oftmals gar nicht über die genaue Abwicklung Bescheid. Bei der Suche nach einem Verantwortlichen können schon einige Wochen vergehen, so Rekathati weiter.
Der Veranstalter des XMG GI Cups reagierte auf die Aussage von ClouD, dass auch sie nicht pünktlich bezahlt haben und sagte, dass sein Geld bereits überwiesen wurde, nach nicht mal 48 Stunden. Alle Gelder stehen bei ihnen bereits vor den Turnieren zur Verfügung und werden umgehend nach dem Turnier ausgezahlt. Diese Antwort wurde umgehend von ClouD bestätigt und er entschuldigte sich für die Nennung des XMG Cups. Auch polarfluKe bezog öffentlich Stellung zu der Liste von DaRk.FoRcE, auf der das „Polarfluke OPtoberfest“ mit 340 US-Dollar notiert war. polarfluKe wieß auf die Regeln hin, wo geschrieben steht, das jeder Spieler innerhalb von zwei Wochen die Bankdetails mitteilen sollte, was DaRk.FoRcE offenbar nicht tat. Erst nach einer Nachricht der Administratoren wäre dies geschehen und sie wären damit absolut im Zeitplan der Auszahlung, wie es auch bei den 18 Turnieren zuvor gewesen ist. DaRk.FoRcE entschuldigte sich für die Aufzählung. Er hatte bereits vorher das Turnier aus der Liste entfernt, aber es in dem Post auf TL vergessen zu ändern.
Die Zahlungsmoral der Großen
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Neben den vielen negativen Meinungen über die Turnierveranstalter, gab es auch einige positive Berichte. So wurde von mehreren Personen die Zahlungsmoral von Playhem gelobt und besonders die MLG würde die Zahlungen direkt nach dem Event per Scheck übergeben.