
Die Finals in Providence, Rhode Island, USA, waren ein voller Erfolg. Sowohl für die Organisatoren, als auch für die Spieler und vor allem für die Zuschauer. 120.000 US-Dollar gab es insgesamt an Preisgeld allein in StarCraft II zu vergeben, was viele spannende und gute Partien hervorrief, da absolute SC2-Qualität vor Ort war. Letztendlich sicherte sich Lee ‚Leenock‘ Dong Nyung den ersten Platz vor Johan ‚NaNiwa‘ Lucchesi und Park ‚DongRaeGu‘ Soo Ho. Nur sehr wenige Zuschauer hätten wohl vorher auf diese drei Spieler getippt.
Leenock ’n‘ Loaded
Der erst 16-jährige Koreaner startete am Freitag neben vielen anderen Koreanern im Open Bracket. Problemlos setzte er sich hierbei mit einer Map-Statistik von 12:0 durch. Als erstes schickte er dabei Andrew ‚Drewbie‘ Moysey ins Loser-Bracket, gefolgt von Hak Soo ‚Oz‘ Kim und Ben ‚Gatored‘ Brewer, welcher zuvor Kim ‚GanZi‘ Dong Ju besiegen konnte. Im Finale bezwang er ohne große Mühen Ryan ‚State‘ Visbeck.
Nachdem er im Championship-Bracket zuerst Hayder ‚HayprO‘ Hussein besiegen konnte, musste er als nächstes seine erste und einzige Niederlage des Turniers hinnehmen. DongRaeGu schickte ihn mit 2:0 ins Loser-Bracket. Dort angekommen besiegte Leenock der Reihenfolge nach StarCraft-Legende Lim ‚BoxeR‘ Yo Hwan, Paul-David ‚SLusH‘ Pagé, Moon ‚MMA‘ Sung Won, Gregory ‚IdrA‘ Fields und Chris ‚HuK‘ Loranger. Bis auf MMA konnte er erneut alle Spiele mit 2:0 gewinnen. Die nachfolgenden Partien gegen den dreifachen GSL-Champion Jeong ‚MVP‘ Jong Hyeon waren erneut sehr gut. Auf der ersten Map Dual Sight eliminierte der Terraner insgesamt über 80 Dronen des Zergspielern und trotzdem schaffte es Leenock die Map zu gewinnen, was aber auch an falschen Timings seitens MVP lag.
Im Loser-Bracket-Finale kam es zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen Leenock und DongRaeGu. Aufgrund der Extended-Series-Regelung wurde das Best-of-Three in ein Best-of-Seven umgewandelt, wobei DRG schon mit 2:0 in Führung lag. Nur wenige Zuschauer trauten Leenock zu, dass er vier Maps im ZvZ-Mirror gewinnt; wohingegen sein Gegner nur zwei für einen Sieg benötigt. Nach fünf spannenden Maps schaffte er jedoch die Überraschung und gewann mit 4:3. Im vorletzten Spiel setzte DRG früh auf Banelinge und versuchte die feindlichen Dronen zu töten. Leenock zeigte hier aber beeindruckendes Micromanagement und verteilte seine Drones nahezu perfekt. Trotzdem verlor er die Karte aufgrund des konstanten Harassings seitens DRG. Auch im Overall-Finale startete er mit dem Nachteil, aus dem Lower-Bracket zu kommen. Nach fünf Maps und einer Gesamtstatistik von 34:5 Maps beendete Leenock das MLG-Turnier auf dem ersten Platz und sicherte sich damit das Preisgeld in Höhe von 50.000 US-Dollar.
Zurzeit geht der 16-Jährige nicht zur Schule und zeigte auf der MLG auch warum. Falls er dieses Level in der Zukunft halten kann, werden wir sowohl in der GSL, als auch außerhalb viel von ihm zu sehen bekommen. In der laufenden GSL-Saison schaffte er bereits den Einzug unter die besten Acht und und ist somit auch für die nächste Code S-Saison direkt qualifiziert. Falls er sein Spiel gegen Han ‚aLive‘ Lee Seok gewinnt, könnte es zu einem erneuten Aufeinandertreffen zwischen ihm und MVP kommen. Auch bei Twitter zeigte sich der sympathische Koreaner wachsender Beliebtheit und schaffte es für kurze Zeit unter die weltweiten Twittertrends. Leenock ist der Starspieler vom koreanischen FXOpen-Team und wird sich in Zukunft vor Angeboten wohl schwerlich retten können.
NaNiwa – Bad Mannered oder Cool Guy?
NaNiwa scheidet ähnlich wie IdrA die Zuschauer in zwei Lager. Die einen sympathisieren mit dem jungen Schweden, die anderen halten gar nichts von ihm. Egal welchem Lager man angehört, seine spielerische Leistung am Wochenende war atemberaubend. Als er am ersten Tag beim weniger wichtigen Turnier, dem MLG Global Invitational, Lim ‚NesTea‘ Jae Duk sowie Jeong ‚MVP‘ Jong Hyeon schlug, wurde es von vielen als einmalige Überraschung abgetan. An den Tagen darauf belehrte er alle Zuschauer eines Besseren und gewann erneut gegen NesTea und anschließend auch gegen HuK sowie DongRaeGu. Keiner schien eine Lösung auf seine Spielart parat zu haben und somit mussten sich die Spieler nach und nach geschlagen geben. Während viele seiner Antifans sich über seinen konsequenten Spielstil beschwerten, sollte man den Fehler eher bei den erfolglosen Versuchen es zu kontern suchen. Leenock zeigte im Finale anschließend, wie man gegen NaNiwa spielen sollte und nutzte seine Schwachstellen konsequent aus.
Nach seinen letzten Versuchen in der GSL war seine überzeugende Form überraschend. Innerhalb von drei Code A-Qualifikationen schaffte es der Schwede nicht, auch nur eine einzige Map zu gewinnen. Beim letzten Versuch in der GSL November scheiterte er zum zweiten Mal an Lee ‚Lucky‘ In So, nachdem er bereits im Oktober gegen ihn antreten musste. NaNiwa verlor beide Spiele, schrieb kein „gg“ und flüchtete aus dem GomTV-Studio. Auf seinem Twitteraccount veröffentliche er kurze Zeit später „fuck everything fuck my life, gonna practice twice as hard for everything in the future and not give a shit about anything else“. Offensichtlich hielt er sich daran und verbesserte sein Spiel. Dies bestätigte auch sein Teamkollege DongRaeGu vor der Partie gegen ihn. Trotzdem sei der Schwede kein Gegner für ihn, was NaNiwa mit der Verweigerung des Handschlags erwiderte. Beide nahmen dies mit einem Lächeln und kurze Zeit späte marschierte NaNiwa siegreich aus seiner Kabine. Durch den Umstand, dass Leenock bereits seinen Code S-Spot für die nächste Saison hat, erhält NaNiwa diesen und wird sich dort Anfang kommenden Jahres erneut beweisen können.
Im Laufe der zwei Aufeinandertreffen zwischen NaNiwa und NesTea entwickelte sich eine Rivalität zwischen den beiden Spielern. Nach dem Match gegen NesTea am Freitag gab NaNiwa ein Video-Interview, wo er eine Aktion von NesTea in Frage stellte. Er dachte er sei ein Genie, doch diese Handlung war Schwachsinn und sinnlos. Viele rissen die Aussage aus dem Zusammenhang und behaupteten, NaNiwa hätte NesTea persönlich einen Idioten genannt. Kurze Zeit später erkannte auch NaNiwa, dass er sich falsch ausgedrückt hat und entschuldigte sich für die falsche Wortwahl. Er wollte ihn keinesfalls als Idioten oder als generell schlecht bezeichnen, lediglich hatte er sich die Spiele schwerer vorgestellt. Der zweite Zwischenfall ereignete sich beim zweiten Treffen der beiden Akteure im Rahmen des Winner-Brackets. Nach den ersten beiden Maps stand es 1:1 und NaNiwa musste dringend auf Toilette, was ihm zuerst verwehrt wurde. Nachdem die dritte Map gestartet wurde, pausierte er und diskutierte mit den Verantwortlichen. Man einigte sich auf ein Spielneustart, weil auch NesTea noch einmal zur Toilette ging. Der Schwede war etwas früher wieder zurück und schaute sich das Replay der eben abgebrochenen Partie an. Dort konnte er die Taktik und Buildorder des Koreaners sehen und wäre besser darauf vorbereitet gewesen, wenn NesTea exakt das gleiche nochmal spielt. Allerdings hatte er diese Infos bereits nach dem Abbruch der Karte gehabt, genauso wie NesTea jegliche Informationen über NaNiwas Buildorder hätte sehen können.
Nach dem Re-Start der dritten Map pausierte NaNiwa nach knappen zwei Minuten erneut das Spiel. Grund für die Pause war, dass er Cross-Position scoutete und dort keinen Zerg vorfand. Vorher hatte ihm allerdings ein Admin angeblich bestätigt, dass auf der Map nur Cross-Position möglich ist. Seinem Coach wurde daraufhin erlaubt, die Kabine zu betreten und mit NaNiwa zu reden. Nach einer knappen Minute bezeichnete der Schwede das Turnier als „joke tournament“ und setzte nach kurzer Bedenkzeit das Spiel fort. Einige sagten dem 21-Jährigen nach, dass sein Coach ihm dabei alles über NesTeas-Spiel verraten hätte, was allerdings aufgrund der Anwesenheit eines Admins beim Gespräch widerlegt wurde.
HayprO überrascht – IdrA enttäuscht – viOlet unauffällig
Während Jeffrey ‚SjoW‘ Brusi nach zwei 0:2-Niederlagen schnell aus dem Turnier ausgeschieden war, konnte sich Hayder ‚HayprO‘ Hussein hingegen besser verkaufen. Im Loser-Bracket besiegte er nacheinander Chris ‚Illusion‘ Lee, Ryoo ‚SeleCT‘ Kyung Hyun und Jonathan ‚KiWiKaKi‘ Gerneau. Anschließend traf er als klarer Außenseiter auf NesTea und konnte ihn mit 2:1 aus dem Turnier werfen. Gegen MVP war dann allerdings Schluss und somit stand nur noch das Spiel um Platz sieben gegen Gregory ‚IdrA‘ Fields an. Dieser hielt es allerdings nicht für nötig anzutreten und wurde damit disqualifiziert, HayprO konnte sich somit über einen Gewinn von 3.750 US-Dollar freuen; IdrA hingegen verabschiedete sich mit einer Statistik von 2:5 aus dem Turnier.
Der einzige deutsche Teilnehmer, Dario ‚TLO‘ Wünsch, zeigte eine mittelmäßige Performance auf den MLG Finals. Er schaffte es im Open-Winner-Bracket bis ins Finale, wo er an NesTea scheiterte. Im Championship-Bracket hatte er es in der ersten Partie mit Jo ‚Artist‘ Min Ho zu tun, welcher sich allerdings als zu stark herausstellte. Damit hatte er den Soll erfüllt, bis ins Championship-Bracket zu kommen. Auch Kim ‚viOlet‘ Dong Hwan, mittlerweile ohne Team, schaffte den Sprung in das Championship-Bracket, wo er allerdings in der ersten Runde an Lee ‚MarineKing‘ Jung Hoon scheiterte. Der ehemalige MVP-Akteur konnte sich durch die Teilnahme am CSN Training Camp die Reise finanzieren. Im Zuge dieses Trainingscamps konnten Zuschauer ihn zwei Wochen lang bei seinem Training für das Open Bracket in Providence verfolgen. Er schaffte es dabei innerhalb von vier Tagen den ersten Platz auf dem NA-Server zu erreichen. Ein Novum war es auch, als die erste weibliche Teilnehmerin auf der Bühne spielte. Im Spiel hatte Julia ‚Ailuj‘ Childress (Video-Interview) allerdings wenig Chancen gegen Hwang ‚LosirA‘ Kang Ho und verlor deutlich.
Halo, Call of Duty und LoL – Das Drumherum
Abseits von StarCraft II gab es noch die beiden Konsolentitel Halo und Call of Duty, welche beide eine eigene Bühne besaßen, sowie das MOBA-Spiel League of Legends. League of Legends fristete nur ein Schattendasein, hatte man die Spieler und Zuschauer ohne Bühne in einer dunklen Ecke platziert. Nur wenige Zuschauer verfolgten das LoL-Geschehen, wobei man sich fragt, warum man ihnen nicht auch eine Bühne hätte geben können. Halo und CoD hatten jeweils ihre eigene große Bühne, konnten jedoch nicht annähernd an den Erfolg von StarCraft II anknüpfen. Nachdem die Spiele der beiden Konsolenspiele vorbei waren, nutzte man die freien Bühnen ebenfalls für StarCraft II, da auf der einen Bühne viel zu wenig Platz für die vielen Zuschauer gegeben war.
Die Stimmung vor Ort ist laut der Aussagen der Presse grandios gewesen und auch das, was man auf dem Stream mitbekommen hat, bestätigen dies. Besonders die Foreigner wurden nach gelungen Aktionen oder gewonnen Maps gefeiert, aber auch MC oder Boxer konnten sich vor Fans kaum verstecken. Auch wenn Boxer nicht auf der Bühne spielte, war er umringt von Massen an Zuschauern. In jeder freien Minute mussten Spieler wie HuK oder Tyler Autogramme geben oder für Fotos posieren. ‚Tastosis‘, das sind Artosis und Tasteless, wurde jedes Mal mit tobenden Applaus begrüßt, sobald sie am Stream zu sehen waren. Providence entpuppte sich als dankbare Kulisse. Der Bürgermeister hat den vergangenen Freitag offiziell zum MLG-Tag erklärt und auch innerhalb der Stadt gab es zahlreiche Banner zur Begrüßung von Fans und Spielern. Unterhaltsam waren auch teilweise die Spieler persönlich. So zog sich MC nach seinem Sieg über MVP seinen ‚Murloc Suit‘ über und alberte auf der Bühne herum. Etwas unromantisch bzw. unpassend wirkte hingegen der Heiratsantrag von Community-Caster Tumba.
An Zahlen gemessen dürfte das Event wohl erneut einen Zuschauerrekord aufgestellt haben. Sowohl vor Ort, als auch auf den Streams. Diese liefen trotzdem alle weitestgehend konstant und ohne Probleme. Die letzten drei Spiele des Turniers, die ab ca 00:20 Uhr gestartet wurden, brachten auf readmore.de noch fast 800 Kommentare bei fast 70.000 Zugriffen.
Abschlussplatzierungen MLG-Finals Providence:
1. Platz:
[zerg] Lee ‚Leenock‚ Dong Nyung – 50.000 US-Dollar
2. Platz:[protoss] Johan ‚NaNiwa‚ Lucchesi – 25.000 US-Dollar
3. Platz:[zerg] Park ‚DongRaeGu‚ Soo Ho – 15.000 US-Dollar
4. Platz:[terrans] Jeong ‚MVP‚ Jong Hyeon – 10.500 US-Dollar
5. Platz:[protoss] Chris ‚HuK‚ Loranger – 7.500 US-Dollar
6. Platz:[protoss] Jang ‚MC‚ Min Chul – 5.250 US-Dollar
7. Platz:[zerg] Hayder ‚HayprO‚ Hussein – 3.750 US-Dollar
8. Platz:[zerg] Gregory A. ‚IdrA‚ Fields – 3.000 US-Dollar
[zerg] Lee ‚Leenock‚ Dong Nyung – 50.000 US-Dollar
[protoss] Johan ‚NaNiwa‚ Lucchesi – 25.000 US-Dollar
[protoss] Chris ‚HuK‚ Loranger – 7.500 US-Dollar
[zerg] Gregory A. ‚IdrA‚ Fields – 3.000 US-Dollar