Na’Vi wurde lange mit einem Namen verbunden: Murat ‚Arbalet‘ Zhumashevich. Sein Geld machte den Clan und das CS-Team groß und erfolgreich, doch damit ist seit einigen Monaten Schluss, der Geldhahn versiegt. Ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken? Ganz im Gegenteil. Im Hause Na’Vi will man jetzt erst recht zeigen, dass man es auch alleine schafft. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen berichtet aus Kiew, was sich inner- und außerhalb des Teams tut.
Das letzte Quartal des Jahres 2011 war auf dem Papier kein besonders gutes für Natus Vincere. Zuerst beendete Mäzen Arbalet im September seine finanzielle Unterstützung des Clans und dann ließ sich das Counter-Strike-Team im Rennen um den Titel „Team des Jahres“ von den Polen und SK Gaming abhängen. Kein Geld und dann auch noch ausbleibender Erfolg eine Bewährungsprobe für das Team, welches seit seiner Gründung mit massig Erfolg und Unabhängigkeit verwöhnt wurde. Doch bereits Anfang 2012 lässt sich erkennen, dass es offenbar geschafft wurde, sich erfolgreich neu aufzustellen.
So wurden zuerst neue Sponsoren gewonnen, um einer leeren Teamkasse vorzubeugen. Vor allem die Partnerschaft mit SteelSeries wurde ausgebaut, Werbung für teameigene Produkte wie zum Beispiel das Na’Vi Siberia-Headset oder das Mousepad wird nicht mehr als lästiges „Must do“ wie zu Arbalet-Zeiten angesehen, sondern endlich seriös betrieben. Auch die Homepage inklusive Foren wird gewissenhafter betrieben um die restlichen Sponsoren zu präsentieren, ebenso setzt man doch auch vemehrt auf eine Pflege der englischen Sektion. Keine Selbstverständlichkeit bei osteuropäischen Teams.Generell möchte man sich mehr Richtung Westen öffnen. Während man in der Ukraine und auch im Rest Osteuropas eine solide und mehr als treue Fanbase hat, sind die Meinungen über das Team im restlichen Teil der Welt oft gespalten. Ein Grund dafür könnte sein, dass außer Arseniy ‚ceh9‘ Trynozhenko kaum jemand regelmäßig bereit ist, englische Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und eben jener ceh9 des Öfteren durch unsportliches Verhalten auf und außerhalb des Servers auffiel. Das soll nun geändert werden. So wurde im Laufe der generellen Clanumstrukturierung extra ein sehr gut Englisch sprechender PR-Manager verpflichtet, der vor allem das Image des Teams in den westlichen Medien in positive Bahnen lenken soll. Ein Videorundgang durch die neuen Trainings- und Büroräumlichkeiten des Clans wurden so zum Beispiel auf YouTube mit englischen Untertiteln versehen. Kleinigkeiten wie diese sollen aber erst der Anfang sein.
Und auch die Spieler scheinen verstanden zu haben, was bereits beim äußeren Erscheinungsbild beginnt. Während in der Arbalet-Ära Schlabberlook und Jogginghose oft Standard waren, ist jetzt braver Einheitsstil angesagt. Brav werden auf der Bühne, während Matches und zum größten Teil auch außerhalb die hauseigenen Shirts und Pullover getragen. Ebenso gehen die fünf CSler die Turniere nicht mehr so sorglos an. Statt gerne über die Stränge zu schlagen und dementsprechend wenig gesittet in der Location rumzublödeln, blieb es in Kiew bislang bei einem Feierabendbier nach Erreichen der Playoffs.
Ebenso gibt es im sportlichen Bereich Veränderungen: Seit einigen Wochen fungiert Sergey ’starix‘ Ischuk als Ansager und löste somit Danylo ‚Zeus‘ Teslenko in dieser Rolle ab. Damit wurde wohl nicht nur auf nachlassende spielerische Leistungen reagiert, sondern auch aufkommenden Unruhen im Team vorgebeugt. So soll die Stimmung im Squad gegen Ende des letzten Jahres nicht immer harmonisch gewesen sein, woraufhin einige Spieler ihrem Unmut Luft machten. Doch man setzte sich intern an einen Tisch, fand gemeinsam eine zukunftsichere Lösung. So stellt man sich das neue Na’Vi vor.Dass die Entscheidung bisher nicht zu bereuen ist, zeigt die solide Leistung in Kiew. Ebenso leidet starix individuelle Performance nicht unter seiner neuen Aufgabe. Er spielt solide und verlässlich wie sonst auch immer, trifft nicht weniger als sonst. Auch andere, kleinere Feineinstellungen hat man vorgenommen. Statt ganz außen sitzt ceh9 jetzt eine Position weiter innen, rechts von Mittelmann starix. Meinungsspaltende, unfaire Provokationen und Schreie Richtung des Gegnerteams werden für ihn somit erschwert, er muss zwangsweise etwas weniger emotional gegenüber seinen sportlichen Mitstreitern werden. Stattdessen kann er seine Energien nun direkter auf seine Teamkameraden übertragen.
Na’Vi hat sich für 2012 also viel vorgenommen. Interessant vor allem, da weder sie noch SK und ESC Lineupwechsel vorgenommen haben. So gehen alle drei Topteams aus dem Jahr 2011 mit soliden Teamstrukturen und vor allem stabilen Organisationen in Rücken in die neue Saison. Gut für die Zuschauer, denn so wird im neuen Jahr direkt von Anfang an auf hohem Niveau gespielt, es gibt weniger Ausreden, dafür bessere Vergleichsmöglichkeiten. Na’Vi und Co sind positive Beispiele dafür, dass sich zumindest die Spieler nicht vom ständigen „CS stirbt“-Gerede anstecken lassen und zum Großteil seriös und gewissenhaft wie selten ihrer Zukunft entgegen sehen.

