Fünf Maps, fünf Siege: SK Gaming spaziert nach einem 2:0 gegen Moscow Five ins Finale der IEM GC in Kiew. Im Interview mit readmore.de gibt sich Johan ‚face‘ Klasson deshalb gelassen für das morgige Endspiel gegen Na’Vi. Dazu spricht er darüber, wie er sich seine Zeit nach der Progamer-Karriere vorstellt, wie sich das Team auf das Event vorbereitet hat und ist optimistisch, dass mousesports bald wieder besser auf Turnieren abschneiden wird.
Hallo Johan, ihr habt gerade 2:0 gegen Moscow Five gewonnen, hattet aber einen sehr schweren Start in das Spiel, lagt nach der ersten Hälfte auf de_mirage 3:12 zurück. Woher kamen die Startschwierigkeiten?
Johan ‚face‚ Klasson: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, denn als wir online gegen sie trainiert haben, war es ganz anders als heute. Da waren wir immer stark als T und schwach als CT. Heute dagegen waren die Rollen irgendwie vertauscht. Wir haben am Anfang einige 1on1s verloren, ich glaube drei Stück mussten dann sparen und haben auch diese Runden nur knapp verloren. Wir hätten in ein paar Runden einfach ein wenig mehr Glück gebrauchen können.3:12 ist natürlich kein gutes Ergebnis, aber zu Beginn der zweiten Halbzeit haben f0rest und GeT_RiGhT einfach unglaublich aufgespielt und Delpan hat fast immer den ersten Frag gesetzt. Es war ganz wichtig, dass sie zu dem Zeitpunkt zurück zu ihrem Spiel gefunden haben.
Was habt ihr in der Pause nach eben jener ersten Halbzeit gemacht? Gibt es nach so einer schwachen Hälfte vielleicht ein paar zusätzliche Instruktionen von eurem Ansager RobbaN?
Wir haben nichts Spezielles gemacht. Das Wichtigste ist, dass du ruhig und konzentriert bleibst und nichts Überstürztes versuchst, sonst verlierst du nämlich. Jeder von uns ist ganz cool geblieben und dann geht man auch mit einem guten Gefühl in den Rest des Spiels.
Empfindest du de_mirage und de_forge immer noch als „neue“ Maps, auf denen es noch viel zu lernen gibt oder hast du dich mittlerweile an sie gewöhnt wie an die anderen Maps auch?
Natürlich sind es immer noch „neue“ Maps und es gibt immer Dinge, die man auf ihnen lernen kann, aber wir fühlen uns auf beiden ziemlich wohl. Ich glaube, auf Offline-Events haben wir insgesamt nur einmal auf beiden Maps verloren, seitdem sie im Pool sind.
Im großen Finale trefft ihr morgen auf Na’Vi, die hier in ihrer Heimatstadt und nach ihrem durchwachsenen Jahr 2011 extrem motiviert sind. Fühlt man eine gewisse Angst oder viel Respekt vor so einem Gegner?
Nein, wir haben keine Angst vor ihnen, haben sie bereits in der Gruppenphase geschlagen. Ich glaube es kommt gar nicht darauf an, gegen welches Team man spielt, denn sie kennen unseren Spielstil mittlerweile, genauso wie wir ihren kennen. Deshalb wird es einfach darauf ankommen, wer von uns beiden am meisten Emotionen zeigen wird und wer den besseren Tag erwischt.
Wie verbringt ihr jetzt den Rest des Tages? Werdet ihr euch im Hotel noch mit Hilfe von Demos auf das Finale vorbereiten?
Eigentlich gucken wir für gewöhnlich gar nicht so viele Demos. Wir wissen auch so immer schon recht genau, wie wir gegen das jeweilige Team spielen müssen. Natürlich gibt es trotzdem noch einiges zu besprechen, deswegen werden wir uns jetzt gleich im Hotel hinsetzen und über einige Dinge diskutieren. Da geht es dann zum Beispiel darum, welche Maps wir morgen spielen möchten.Wie habt ihr euch generell auf dieses Event vorbereitet? Wie viele Stunden habt ihr pro Tag trainiert?
Wir haben kein Bootcamp gemacht, jeder hat von zu Hause aus gespielt. Etwa zwölf Tage vor Turnierstart haben wir mit dem Training begonnen und dabei jeden Tag von 17 Uhr bis etwa 23 oder 24 Uhr gespielt. Das kam immer darauf an, für wie lange wir noch Trainingspartner gefunden haben. Danach hat jeder von uns dann noch ein paar Stunden für sich selbst gespielt und individuell trainiert.
Das nächste Turnier werden die IEM VI World Championship Anfang März auf der CeBIT sein. Ist das vielleicht schon das wichtigste Turnier des Jahres?
Wahrscheinlich ja. Wir wissen ja immer noch nicht, wie viele CS 1.6-Turniere es dieses Jahr geben wird und wie lange das Spiel noch überleben wird. Hoffentlich noch lange, aber das lässt sich im Moment schwer sagen. Deshalb ist das Turnier auf der CeBIT vermutlich schon das größte.
Wenn Counter-Strike 1.6 eines Tages wirklich aussterben sollte, würdest du dir dann ein anderes Spiel suchen oder deine eSport-Karriere beenden?
Dass CS 1.6 sterben wird, ist sicher. Die Frage ist nur: wann? Aber ich denke, wenn dieser Tag irgendwann kommt, werden wir als Team darüber diskutieren, ob wir zusammen ein anderes Spiel spielen wollen, wie zum Beispiel CS: GO oder etwas ähnliches. Bis jetzt haben wir noch nichts entschieden, aber diese Option besteht definitiv.
Du bist momentan Vollzeit-Progamer? Wie lange willst du das noch machen und hast du bereits Pläne für die Zeit nach dem eSport?
Im Moment genieße ich meine Zeit als Progamer sehr und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich machen sollte, wenn ich mit dem Spielen aufhören oder den eSport generell verlassen würde. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, wenn ich dann weiter aktiv in der eSport-Branche sein könnte. Wenn du etwas über einen so langen Zeitraum gemacht hast, dann hängst du daran und wenn sich dann etwas in der Richtung für mich ergibt, wäre das eine Option.
Zum Abschluss: Was denkst du über das aktuelle mousesports-Team und was können sie deiner Meinung nach in diesem Jahr erreichen?
Ich denke, sie werden deutlich bessere Resultate zeigen, als sie es hier getan haben und in den Trainingsspielen sind sie auch immer sehr gut. Ich habe aber gehört, dass es für zonic sehr schwer ist, sich an so viele neue Positionen zu gewöhnen. Dazu spricht er noch eine andere Sprache, was die Kommunikation enorm erschwert. Aber ich denke, im Laufe des Jahres werden sie mit der Zeit immer besser und besser werden.
Vielen Dank für das Interview.

