Wie jedes Jahr hatte sich die ESL wieder um die Unterbringung der teilnehmenden Spieler und Teams gekümmert. Dass dies im Rahmen der CeBIT kein leichtes Unterfangen ist, kann sich jeder denken. Wo ist jedoch die Grenze zwischen einer annehmbaren Übernachtung für sechs Tage und einer vergleichweise unzumutbaren Unterkunft?
Der Stein des Anstoßes waren zwei Twittermeldungen von IdrA. In der ersten schrieb er, dass sich europäische Turniere ein Beispiel an der MLG, NASL und IPL in Bezug auf die Behandlung von Spielern nehmen sollten. In der zweiten Nachricht konkretisierte er dies und sagte, dass sich ein PPV-Event lohnt, falls Spieler dadurch ein Zimmer mit Dusche und WC bekommen. Einige Stunden später twitterte SuperNoVa zwei Bilder der Unterkunft. Darauf zu sehen waren er und Zenio in einem kleinen Zimmer, in dem es lediglich ein Bett und Waschbecken gab. Schnell verbreitete sich die Meldung in den verschiedenen Foren und es entbrannten hitzige Diskussionen. Einige verglichen die Unterbringung mit einer Gefängniszelle, in der kein Spieler übernachten sollte.
IdrA legte wenig später nach und meinte sarkastisch, dass man sich nicht über die Unterbringung beschweren sollte, denn immerhin gebe es Nutella. Er betonte außerdem, dass die öffentliche Dusche und die Toilette außerhalb des Zimmers liegen. Auch viOlet hatte etwas zu dem Thema beizutragen und zwar stand er vor verschlossener Tür und bat via Twitter seine Mitbewohner, ihm die Tür zu öffnen. Fünf Minuten später war aber auch dieser Umstand Geschichte und viOlet twitterte, dass er in Sicherheit sei.
Nachdem die Twittermeldungen abgeklungen sind, nehmen wir die Umstände der Übernachtungen mal genauer unter die Lupe. Koreanische Teamhäuser unterscheiden sich in der Art und Weise der Übernachtung nicht sonderlich von den Zimmern der Jugendherberge. Jedoch sind Koreaner durchaus andere Umstände im Ausland gewohnt, wie z.B. bei den von IdrA genannten Turnieren. Allerdings muss man dabei bedenken, dass die Finanzierungsmodelle der NASL, IPL und MLG alles andere als zukunftssicher sind. Was bringen einem Spieler fünf schöne Übernachtungen, wenn das Turnier anschließend Pleite geht und keine weiteren Events mehr veranstalten kann? Nicht sonderlich viel.
Die Vorgehensweise seitens der ESL ist aber in diesem Jahr kein Novum, sondern wird bereits seit Jahren so praktiziert. IdrA war bereits im letzten Jahr dabei sowie einige Koreaner auch. Die Unterbringung dabei war ähnlich, wenn auch möglicherweise nicht ganz so wie in diesem Jahr. Auch DarK.FoRcE bestätigte, dass die Umstände in der Jugendherberge in diesem Jahr schlecht sind. Die Electronic Sports League selbst hat aber keinen direkten Einfluss auf die Unterbringung, was bei der großen Anzahl an Teilnehmern auch sehr schwierig wäre. Unterkünfte in Hotels wären zwar wünschenswert, sind jedoch utopisch während der CeBIT. Zimmerpreise von 150€ pro Person sind dabei der Normalzustand, was bei fast 200 Teilnehmern und Managern über sieben Tage zu Kosten in Höhe von fast 200.000 Euro führen würde. Somit bleibt den Spielern, beziehungsweise den Teams, nur die Möglichkeit, sich selbst um eine Unterbringung zu kümmern. In ihrem Statement nannte die ESL konkrete Zahlen bezüglich ihrer Ausgaben. 120.000 Euro kosten die Unterbringungen im Zeitraum der CeBIT, 70.000 Euro davon entfallen auf die Spieler und Manager.
Als Fazit bleibt zu sagen, dass die Unterkunft die spielerische Performance von Zenio, DarK.FoRcE, viOlet und SuperNoVa nicht sonderlich beeinträchtigte. Alle vier genannte Spieler schafften die Qualifikation für die Playoffs. Lediglich IdrA hatte anscheinend einen schlechten Tag erwischt und beendete die Gruppenphase auf dem letzten Rang mit nur einem Sieg über SuperNoVa.