Phillip ‚monchi‘ Simon, der sich zum ersten Mal für die ESL Pro Series qualifizieren konnte, war auch heute im neuen ESL TV Studio in Köln. Nach seiner Niederlage gegen Jonathan ‚DarK.FoRcE‘ Belke spricht er mit readmore.de über seine Verletzung, Korea und die GSL sowie seine emotionale Art beim Spielen.
readmore.de: Hallo Phillip, wie enttäuscht bist du nach der Niederlage gerade und was hast du dir eigentlich ausgerechnet?
Phillip ‚monchi‘ Simon: Enttäuscht bin ich eigentlich nur über das Ergebnis an sich. Ich bin sogar positiv überrascht und ich war nur im ersten Spiel nervös und auch selbst da nicht lang. Das habe ich jedoch verkackt (lacht). DarK.FoRcE sagte auch im Interview, dass ich das erste Spiel locker gewonnen haben könnte, er hat im Prinzip Glück gehabt. Hätte ich das Spiel gewonnen, hätte ich natürlich ein viel besseres Momentum fürs zweite Spiel gehabt. Das war nämlich so knapp, das hätte ich dann auch gewinnen können. Steht es 2:0 für mich, was ja drin war, wäre ich ganz anders ins Dritte gegangen. So habe ich halt das dritte Spiel leider auch verhauen.
Es ist dein erstes Offline-Event. Wie findest du die Location und hast du gedacht, nervöser zu sein?
Ich habe gedacht, dass ich viel nervöser bin und zum Beispiel zittrige Hände habe. Das war aber dann zum Glück nicht so. Allerdings denke ich, dass jeder nervös anfängt. Das Spiel hätte ja, wie gesagt, auch 3:0 für mich ausgehen können. Ich bin sehr begeistert von der Location hier und ich freue mich im Prinzip schon seit Monaten auf mein erstes Offline-Event. Es gefällt mir extrem gut, die ganzen Leute direkt neben mir zu haben. Das Umfeld hier ist einfach super und ich bin sehr froh, endlich auch beim ersten Offline-Event zu sein.
Vor einiger Zeit hattest du ja eine Verletzung an der Hand bzw. am Arm. Wo würdest du dich sehen, wenn diese Verletzung nicht gewesen wäre?
Gleichweit oder vielleicht sogar noch weiter weg von meiner aktuellen Form. Eine Pause kann einem Spieler sehr gut tun, denke ich. Ich spiele sehr exzessiv, vielleicht sogar zu exzessiv und daher auch nicht immer fokussiert. Zu viel Training kann auch schlecht und kontraproduktiv sein. Die Zeit, in der ich nicht spielen konnte, habe ich genutzt um Replays, VODs und so weiter zu gucken. Danach bin ich dann mit einem viel stärkeren Mindset zurückgekommen und habe ein gutes Comeback hingelegt. Ich war im Endeffekt dann gar nicht so traurig über meine Verletzung. Das Einzige was ich ein bisschen blöd fand, ist, dass ich zur WCG und iESF gefahren wäre ohne Verletzung.
Du zählst ja eher zu den polarisierenden Spielern, wie gehst du mit Kritik an deiner Person um?
Ich bin einfach ein extrem emotionaler Spieler und das finde ich sogar gut. Natürlich habe ich auch hin und wieder Ausraster und die finde ich dann nicht gut. Allerdings ist das mit dem Flaming schon viel weniger geworden. So ein Mindset wie zum Beispiel Stephano es hat, finde ich nicht so gut. Solche Leute gehen einfach zu emotionslos ins Spiel und haben daher auch weniger Ehrgeiz. Ich bin meiner Meinung nach überehrgeizig und habe sehr viele Emotionen.
Wenn du Anschuldigungen wie „monchi ist ein kleiner Flamer“ liest, ist dir sowas egal?
Als Erstes: Sowas ist ja gerechtfertigt. So einen Ruf wird man leider auch schwer los. Früher war es extrem bei mir, da habe ich mich nicht nur über die Balance im Spiel aufgeregt, sondern auch die Spieler persönlich angegriffen. Das ist allerdings komplett schwachsinnig, da man sich im Endeffekt sowieso mit den Spielern gut versteht, wenn man sie mal trifft. Klar, war das dumm und daher mache ich es nicht mehr, da man sich so ein Verhalten auf so einem Niveau auch nicht mehr erlauben kann. Ich gehe aber mit der Kritik ganz gut um, denke ich. Die Leute, die mich kennen, wissen ja eh, wie ich bin.
Wie sah deine Vorbereitung für das Event hier aus? Hast du extra viel PvZ trainiert und dich auf DarK.FoRcE vorbereitet?
Nein. Ich habe es endlich nach mehreren Monaten geschafft, meinen Stream zum Laufen zu bringen. Mein Traininig war eigentlich, dass ich 12 Stunden am Tag geladdert habe. Speziell gegen einen Spieler vorbereiten halte ich nicht für besonders intelligent, da jeder Spieler regelmäßig seine BOs ändert, und das somit pures Gambling wäre.
Hast du besondere Rituale, die du vor wichtigen Spielen durchführst?
Eigentlich gar nicht. Mein Tick ist allerdings, dass ich immer zur Beruhigung Pokerchips vor mir habe und mit diesen rumspiele.
Was ist dein größter Starcraft II- Traum?
Ich habe für dieses Jahr hohe Ziele und mit meinem Trainingspensum ist das auch machbar, denke ich. Es war schon ein guter Start für mich, auch wenn das Ergebnis vielleicht etwas Anderes sagt. Normalerweise bin ich immer total unzufrieden, wenn ich verliere, aber heute war ich im Gegenteil sogar sehr zufrieden. Dieses Jahr will ich so viele Turniere mitspielen, wie es nur geht. Mein absolutes Traumziel für dieses Jahr ist allerdings, dass ich möglichst viele gute Platzierungen in Turnieren liefere und somit zu den besten Foreignern gehöre. Ich stehe allerdings ein bisschen unter Zeitdruck, denn ich will mich 2013 wieder voll aufs Studium konzentrieren. Das hängt aber davon ab, wie weit ich im eSports komme.
Bist du zufrieden mit deinem Team ESC? Hast du vielleicht sogar schon Angebote von anderen Teams bekommen?
ESC ist ja ein relativ junges Team. Das Einzige was mich bisher bei ESC ein bisschen gestört hat, ist, dass der ganze Fokus im Starcraft 2 Bereich auf GoOdy lag. Aber jetzt, wo ich ihn eigentlich sogar überholt habe, kriege ich denke ich auch mehr Unterstützung. Wir bekommen jetzt auch einen neuen, guten Spieler, aber da darf ich nicht zu viel verraten. Des Weiteren habe ich einen super guten Kontakt zum Management. Vorallem zu Viper, er ist mittlerweile ein guter Freund von mir geworden und managed eigentlich alles für mich. Daher bin ich auch extremst zufrieden mit der Unterstützung von ESC. Angebote von anderen Clans habe ich bisher noch nicht bekommen.
Würdest du mal nach Korea gehen, um dort zu trainieren und dich möglicherweise sogar für die GSL zu qualifizieren?
Am Anfang von 2012 war das mein oberstes Ziel. Mittlerweile hat sich das allerdings eher in Richtung Offline-Events im europäischen- und amerikanischen Raum entwickelt, danach würde ich dann evtl. nach Korea gehen wollen. Man sieht den Skillunterschied zu Korea ja immer deutlicher. Ich denke, für die GSL fehlt mir noch Einiges und daher möchte ich die Ziele momentan eher niedriger halten. Im Herbst könnte ich mir das allerdings schon vorstellen.
readmore.de bedankt sich für das Interview.