Im August ist der Wettanbieter Digibet in den eSport eingestiegen. Seit dem hat er sein Programm kontinuierlich erweitert und nun bereits ein zweites Spiel ins Portfolio aufgenommen. readmore.de sprach mit Tom Lemke, Marketing Manager bei digibet.com, über seine Erwartungen an das Digibet eSport-Engagement, Sponsoren-Verträge und den professionellen Umgang mit Partnern.
readmore.de: Wie ist digibet als renommierter Wettanbieter auf den eSport aufmerksam geworden?
Tom Lemke: eSport hat sich in den letzten Jahren aus seinem Nischendasein herausbewegt. Das liegt an den professionellen Strukturen der Teams und Veranstaltern, aber auch an dem Aufkommen der Streaming Portale wie own3d und twitch.
Mittlerweile ist eSport professionell und groß genug, dass wir uns mit dem Thema einfach beschäftigen mussten. Es verwundert mich, dass noch kein anderer auf den Zug aufgesprungen ist. Das Feedback ist überwältigend. Die User lieben unser Produkt, insbesondere die Spezialwetten wie „First Dragon“, „First Blood“, oder die Wettart, wo man auf einen Spieler setzen kann, ob er „First Blood“ bekommt.
Fiel es schwer deine Vorgesetzten davon zu überzeugen, euer Programm in dieser Richtung zu erweitern?
Ich bin, gefühlt, seit den Anfängen von eSport mit dabei. Ich hab früher bei JuBo und DkH Counter-Srike gespielt. Danach habe ich mousesports mitgegründet. Schon früher habe ich meine Teammates genervt, mit mir Interviews zu machen, damit wir sie auf die Webseite stellen können. Ich wollte immer, dass eSport größer wird.
Jetzt bin ich in einer Position, wo ich einen Unterschied ausmachen kann und sorry, aber das ist einfach geil! Meine Chefs haben es zuerst nicht verstanden, was für eine verrückte Idee der Herr Lemke mal wieder hatte. Sie konnten aber meine Euphorie / Enthusiasmus erkennen und haben gesagt: „Okay, probieren Sie sich aus!“
eSport bringt einige Eigenheiten mit sich: Zum Beispiel werden viele Turniere
nicht in Stadien sondern online ausgetragen. War dieses eine große Hürde?
Für uns als Wettanbieter gibt es einige Hürden zu meistern:
Insbesondere in der League of Legends Szene werden immer wieder, meistens spontan, Spiele abgesagt oder verschoben. Da nehmen Teams an einem Turnier teil und treten gar nicht erst an. Das ist unangenehm für uns, da wir dann den Wettern ihren Einsatz zurückgeben müssen. Was ist aber, wenn dieser Wetter einen 3er Schein bei uns gespielt hat und ihm fehlt nur noch dieses Ergebnis? Dann stehen wir als Buhmann da, obwohl wir dafür eigentlich nichts können. Wir arbeiten zurzeit daran, unsere AGB dahingehend zu verändern, dass wir in solchen Fällen individuell auf unsere Kunden und deren Situation eingehen können.
Außerdem werden Turnierpläne meistens erst ein paar Tage vor dem Event zur Verfügung gestellt, dass heißt wir können unseren Usern nie langfristig Wetten anbieten. Das Season 2 Finale ist jetzt mal eine kleine Ausnahme.
Betrug ist im Wettgeschäft immer ein Thema, gerade dann wenn sich die eigentlich Spieler beeinflussen lassen. Wie kontrolliert Digibet die abgegebenen Wetten?
Das war unser größtes Problem. Die Kontrolle fängt bereits an, bevor auch nur irgendein Wettschein abgegeben werden kann. Wir müssen uns Spiele / Begegnungen aussuchen, wo die Incentivierung für die Spieler groß genug ist, dass sie keinen Unsinn machen. Spiele, wo es um nichts mehr geht, der Dritte spielt gegen den Vierten in der Gruppenphase und keiner hat mehr eine Chance weiterzukommen, nehmen wir nicht ins Programm auf.
Erst danach erfolgt das live Risk-Management. Jeder Wettschein wird erst automatisch und dann händisch kontrolliert. Wird ein verdächtiges Wettverhalten erkannt, wird die Wette sofort gesperrt. Da müssen wir uns und unsere Kunden schützen. Daher verweisen wir, bei Verdacht auf Manipulation, immer auf unsere AGB.
Ihr seid bereits ein paar große Werbedeals im eSport eingegangen, u.a. mit
Ocelote und SK Gaming. Wie langfristig sind diese Engagements?
Keinem ist dabei geholfen, wenn er kurzfristige Verträge hat. digibet ist gekommen um zu bleiben. Neben den eben genannten Werbedeals, haben wir auch mousesports als Partner gewinnen können.
Unsere Verträge sind langfristig, denn nur so können wir garantieren, dass der eSport von unserem Engagement auch etwas hat. Um dann noch einmal zum Rundumschlag auszuholen: Ich freue mich immer, wenn hohe Preisgelder ausgelobt werden und die Athleten etwas davon haben, aber man sollte dabei bitte nicht die Teams vergessen. Sie sind der Dreh und Angelpunkt des eSports. Sie sorgen für ein professionelles Auftreten der Spieler, finanzieren Reisekosten und garantieren einen geordneten Ablauf. Spieler kommen und gehen – Die Teams bleiben!
Ocelote ist eine umstrittene Persönlichkeit im eSport. Inwieweit wirkte sich das auf eure Entscheidung aus?
Carlos (Carlos Rodriguez Santiago aka Ocelote, Anm. d. Red.) mussten wir verpflichten! 114.000 Facebook Fans und 15.000 Stream Viewers sprechen eine deutliche Sprache. Ja, er spaltet die Szene, das war uns klar. Aber und das muss an dieser Stelle ganz deutlich gesagt werden: Es ist toll, dass er polarisiert! Nehmen wir mal Christiano Ronaldo: Die eine Hälfte liebt ihn, die andere Hälfte sagt, er soll aufhören zu weinen. Bei Carlos verhält es sich ähnlich. Beide Seiten haben eine Meinung zu Carlos. Viel schlimmer wäre es doch, wenn Carlos niemanden interessieren würde. Dem eSport tut es gut, Spieler zu haben, an denen sich die Meinungen scheiden.
Mit Ocelote habt ihr bereits einen Werbespot gedreht. Inwiefern unterschied sich die Arbeit mit ihm verglichen zu konventionellen Sportlern?
Carlos hat sich sehr professionell verhalten. Man hat ihm sofort angemerkt, dass er sich vor der Kamera wohl fühlt. Es gab keinen großen Unterschied zu bemerken. Ob wir nun mit Mario Basler, Hertha, Manchester City oder den Eisbären Berlin gearbeitet haben, sie alle vereint eine Sache: Professionalität bei der Ausführung ihres Jobs.
Aktuell bietet ihr nur LoL-Wetten an. Habt ihr vor euer eSport Programm zu erweitern?
Wir haben bereits Starcraft 2 mit aufgenommen. Allerdings sind wir hier erst am Anfang. DOTA 2 wollen wir unbedingt aufnehmen, da wir dort fast die selben Map-Specials anbieten können wie bei League of Legends. Natürlich verfolgen wir auch die Entwicklung von CS:GO! CS ist sozusagen meine Heimat. Allerdings können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen, wann wir diesen zusätzlichen Schritt wagen werden.
Wir bedanken uns für das Gespräch!